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RSSFutterkrippe
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Über diese Seite

Sinn und Zweck

Die Informationsflut im Internet ist schier unerschöpflich. Mit dieser Seite möchte ich versuchen, Interessantes, Wichtiges, Informatives, Verblüffendes und Lustiges aus der Vielfalt des Netzes zu bündeln und dies möglichst aktuell. Dazu eignen sich RSS-Feeds besonders gut, da viele Internetseiten ihre News und Meldungen ständig aktuell via RSS der Netzgemeinde zur Verfügung stellen. So hat man bei jedem Aufruf der einzelnen Unterseiten die neuesten Informationen zu allen wichtigen Themen aus Weltgeschehen, Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Panorama und Recht. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Cartoons, lustige Bilder, Satirisches und Kuriositäten kann man ebenso finden wie Witze und Videos.

Die Technik

Mit dem in PHP geschriebenen RSS-Parser SimplePie werden die Feeds eingelesen, direkt verarbeitet und als HTML wieder ausgegeben. Bei jedem Seitenaufruf werden die jeweils verlinkten Feeds vom Anbieter geladen, an den Parser gesendet und danach als Internetseite dargestellt. Eine selbstständige Aktualisierung erfolgt dabei nicht. Ein Klick auf F5 oder Aktualisieren im Browser lädt dann den Feed neu und stellt - wenn vorhanden - neue Infos zur Verfügung. Aktueller geht es kaum noch. Also viel Spaß mit dem HomeStory Futterautomaten.

Design & Programmierung:
hirni
Template: SiS Papenburg
RSS-Parsing: SimplePie
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Interne Links

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Das Design

Willkommen zum HomeStory RSS Futterautomaten. Design-Name: "Dunkle Seite".

Das Design ist bewusst düster gehalten, da die Realität auch oft düster ist. Außerdem gefällt mir dieser Gothic-Stil sehr gut. Selbstverständlich ist trotzdem Platz für gute Nachrichten und Spaß. Ihr kennt ja meine Vorliebe für schwarzen Humor...

Die merkwürdige Überschrift geht auf anfängliche Probleme mit Umlauten und Sonderzeichen zurück. Es bestand das Problem, dass entweder die Seite selbst oder die Fütterung Sonderzeichen falsch dargestellt hat und diente daher zu Testzwecken. Irgendwie habe ich die Überschrift dann aber lieb gewonnen und so gelassen.


Der Inhalt


Hier könnt Ihr stets die neuesten Nachrichten abrufen, interessante Infos zum Weltgeschehen, der aktuellen Politik und aus der Welt des Finanzwesens. Neues vom Sport, den aktuellen Wetterbericht, Wissenswertes aus Forschung und Technik, das neueste Netzgeflüster, Infos zu Gesundhiets- und Lifestylethemen, aktuelle Umwelt- und Tierschutzvorhaben sowie Klatsch und Tratsch aus der Promiwelt.

Auch Spaß und Freizeit kommen hier nicht zu kurz. Seht Euch lustige Bilder und Videos an, lacht über Satire, Witze und Cartoons oder träumt Euch in ferne Länder beim Lesen der neuesten Reiseinfos. Wer nicht verreisen kann, schaut einfach, was im Fernsehen oder im Kino so los ist oder guckt mal in die Rubrik Kurioses...

Rechtsthemen und Verbraucherinfos findet man im Service. Stöbert einfach mal durch die Kategorien, da ist bestimmt für jeden was dabei. In vielen Bereichen gibt es Informationen aus unterschiedlichen Quellen, um auch Vergleiche anstellen zu können. Unter den Einträgen habt Ihr die Möglichkeit, die Artikel komplett aufzurufen, wenn sie Euch interessieren, oder direkt ins Forum zurück zu gelangen.

Bei jedem Klick auf die einzelnen Themen werden die neusten Informationen aufgerufen, sodass man ständig aktuell informiert und unterhalten wird. Es lohnt sich also, öfters mal reinzuschauen, denn viele Feeds bieten sogar stündlich Neues. Über besonders interessante Sachen können wir dann ausgiebig im Forum sprechen.


Die Technik


Ausgelesen und angezeigt werden sogenannte RSS-Feeds. Vom englischen Wort Feed (dt. füttern/Fütterung) kam die Idee zur Bezeichnung Futterautomat. Die Seite funktioniert wie ein RSS-Reader, wobei eine interessante Auswahl an Feeds bereits vorgegeben ist.

Was ist eigentlichh RSS? Das ist ein spezielles, standardisiertes Format zur Bereitstellung von Informationen, meist von Internetseiten mit sich ständig ändernden Inhalten, die mit diesen Feeds auf diese neuen Inhalte hinweisen. Es steht für Really Simple Syndication. Unser Forum generiert z.B. auch RSS-Feeds, die Ihr hier lesen könnt... Wer es ganz genau wissen möchte, kann bei Wikipedia den Artikel zu RSS lesen.

Die Seite hier ist mein allererstes PHP-Projekt. Also verzeiht es mir, wenn hier und da nicht alles perfekt ist. Das liegt teils auch an den Feeds selbst.

Noch ganz kurz: Die einzelnen Teile der Seite (Menüs, Textblöcke, Kopf und Fuß) werden zentral gespeichert und von jeder Unterseite verwendet. Daher ist es möglich, globale Änderungen in nur einer Datei vorzunehmen, die sich dann auf alle Seiten auswirkt.

Wenn Ihr beispielsweise auch einen interessanten RSS-Feed kennt und diesen hier lesen möchtet, kann ich den problemlos hinzufügen. Wendet Euch dafür einfach per PN an mich. Weitere Infos zur Technik findet Ihr links unter dem Hauptmenü.

Euer hirni

So, dann lasst Euch mal ordentlich füttern:





Beginn der Fütterung



jetzt.de - Redaktionstexte

Alle Texte der jetzt.de-Redaktion

Die dunkle Seite von Airbnb - freigegeben, bitte Seite 2 nochmal anschauen

Die Nachricht ihrer Airbnb-Gäste erreichte sie im Urlaub: „Das Bett ist gekracht, was sollen wir jetzt machen?“ Viel tun konnte Marie-Luise Meyer zu dem Zeitpunkt nicht – sie war gerade selbst im Urlaub. Die Kunststudentin aus Stuttgart nennt sich selbst einen „großen Verfechter von Airbnb“. Seit Beginn ihres Studiums vermietet sie ihre kleine Zweizimmer-Wohnung über die Plattform. „Bis zu 300 Euro im Monat verdiene ich, indem ich ein paar Nächte außer Haus schlafe “, sagt die 29-Jährige.  

Als sie zurückkam, konnte sie nicht mit Sicherheit sagen, was vorgefallen war: Hatten die Gäste das Bett zerstört? Oder war es schon vorher lädiert gewesen? Die Besucher jedenfalls wollten sich an den Kosten für die Reparatur nicht beteiligen. Ein Fall für Airbnb, könnte man meinen. Immerhin lief die Buchung ganz regulär über die Plattform. Doch: weit gefehlt. Airbnb versteht sich selbst nur als Vermittlungsplattform – als Ort, an dem Anbieter und Suchende zusammentreffen. Die Haftung für Rechtsstreitigkeiten will das Portal nicht übernehmen. Und liegt damit in einer Linie mit der Mentalität vieler Silicon-Valley-Startups: „Build it first, mend it later.“ Soll heißen: Erst, wenn wirklich etwas schiefgeht, werden die Geschäftsbedingungen geändert. Die Verantwortung schieben die Pioniere der sogenannten Sharing Economy zunächst einmal weit von sich.    

Im Fall von Airbnb ist das ganz offensichtlich. 2011 führte die Plattform, auf der nach eigenen Angaben bereits mehr als 60 Millionen Menschen eine Übernachtung gebucht haben, eine „Gastgeber-Garantie“ über 50.000 US-Dollar (rund 47.000 Euro) ein – nachdem eine Airbnb-Gastgeberin aus San Francisco ihre untervermietete Wohnung komplett verwüstet vorfand. Airbnb weigerte sich damals zunächst, Verantwortung zu übernehmen. Erst als der Druck von außen immer größer wurde, kam die Plattform für die Schäden auf. Dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune sagte CEO Brian Chesky, der Vorfall sei zu wichtig gewesen, als dass das Unternehmen tatenlos hätte bleiben können. Inzwischen hat Airbnb die Summe sogar auf eine Million US-Dollar (800.000 Euro) erhöht.  

Die Garantie, so die Betreiber, sei ein „weiteres Beispiel dafür, dass Airbnb sich für eine sichere und vertrauenswürdige Gemeinschaft auf der ganzen Welt einsetzt“. Was erst mal total super klingt. Wer sich jetzt aber darauf verlässt, dass Airbnb im Fall der Fälle hilft, wird enttäuscht. In der Realität dürften nur die wenigsten geschädigten Airbnb-Gastgeber auch nur einen Teil der Versicherung erhalten: Bevor Geld fließt, müssen sie den Schaden erst einmal mit Originalrechnungen, Polizeibelegen sowie Vorher-nachher-Bildern beweisen. Das dürfte bei einem zehn Jahre alten Sofa oder dem von Oma geerbten Klavier schwierig bis unmöglich werden. Marie-Luise hat deshalb noch nicht einmal versucht, Airbnb wegen des kaputten Betts zu kontaktieren: Die Originalrechnung hat sie – wie vermutlich die meisten Leute – schon längst nicht mehr.
  
Wohl auch deshalb legt Airbnb seinen Nutzern nah, eine Kaution zu erheben. Sie soll Gastgeber schnell und unkompliziert davor schützen, für die Missgeschicke ihrer Gäste aufkommen zu müssen. Zum Beispiel, wenn diese Wein auf dem Teppich verschüttet, eine Fensterscheibe zerbrochen oder einen Schlüssel nicht zurückgegeben haben. In solch einem Fall hat der Gastgeber 48 Stunden Zeit, um die auf einem Airbnb-Konto zwischengelagerte Kaution einzufordern – mit einer Beschreibung des Vorfalls oder der Schäden, mit Bildern und Belegen. Marie-Luise wusste von dieser Option. Und hat doch keine Kaution erhoben. „Ich hatte den Eindruck, dass sie die Leute abschreckt“, sagt sie. „Anfangs hatte ich nämlich eine – aber dann sind die Buchungen zurückgegangen.“ Da die Studentin auf die Airbnb-Einkünfte angewiesen ist, verzichtet sie seitdem auf die zusätzliche Sicherheit, vertraut gezwungenermaßen auf die Ehrlichkeit der Gäste.  
[seitenumbruch]
Ein kaputtes Bett ist ja noch ganz verkraftbar. Doch was, wenn Schlimmeres passiert? Aus rechtlicher Sicht stellt Airbnb tatsächlich nur eine Vermittlungsplattform dar, die Gäste und Gastgeber zusammenbringt. Bei Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien ist sie – zumindest in Deutschland – grundsätzlich nicht beteiligt, sagt Dr. Markus Pfügl, Rechtsanwalt für Miet- und Vertragsrecht in München. Dr. Pflügl hat sich bereits mehrmals mit Airbnb beschäftigt. „Das Unternehmen tritt als reiner Vermittler und nicht als Veranstalter auf“, sagt er und verweist auf Hotelsuchmaschinen wie HRS und Trivago, die ebenso wenig wie Airbnb für die Streitfälle zwischen Hotelgästen und Hotelbetreibern – haften. In den Allgemeinen Vertragsbedingungen weist Airbnb zudem ausdrücklich darauf hin, dass keine eigenen Qualitätskontrollen vor Ort vorgenommen werden und jeder Gastgeber für seine Angaben sowie den ordnungsgemäßen Zustand der vermieteten Wohnung haftet. Die Sicherheitsstandards der auf seiner Webseite angebotenen Unterkünfte muss Airbnb dementsprechend selbst nicht kontrollieren. 

Zum Verhängnis geworden ist das einer kanadischen Touristin. Sie starb 2013 in ihrer Airbnb-Unterkunft in Taiwan an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Einen Rauchmelder, der das Unglück hätte verhindern können, gab es dort nicht. Auf seiner Webseite weist Airbnb seither auf einige Sicherheitsmaßnahmen hin, die Gastgeber ergreifen können, und übernimmt die Kosten für neue Rauchmelder. Verpflichtend sind diese aber nicht. Aufsehen erregte zudem ein weiterer Todesfall, der laxen Sicherheitsvorkehrungen geschuldet sein mag: Im November 2013 verunglückte der Vater des Journalisten Zak Stone im Garten einer Airbnb-Unterkunft in Texas. Als er sich auf eine Schaukel setzte, die an einem Baum hing, krachte dieser über ihm zusammen. Das Geäst erschlug ihn. Warnschilder oder dergleichen hatten die Gastgeber an dem morschen Baum nicht angebracht. Kritik an Airbnb übt Stone nun vor allem deshalb, weil das Unternehmen immer wieder Fotografen zu einzelnen Unterkünften schickt, um das Angebot auf der eigenen Homepage aufzuhübschen. Kontrolleure, die die Sicherheit der untervermieteten Häuser und Wohnungen regelmäßig überprüfen, dagegen nicht. „Welche Verantwortung hat die Firma denen gegenüber, die ihnen ihr Geld und ihr Vertrauen geben?“, fragt Stone in dem Matter-Artikel „Living and Dying on Airbnb“.  

Dem Grunde nach nur eine geringe Verantwortung, sagt Rechtsanwalt Dr. Pflügl. Eine mögliche Haftung schließt Airbnb in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen weitreichend aus. Sollte ein Gast also, wie Zak Stones Vater, wegen mangelnden Sicherheitsstandards zu Schaden kommen, haftet zunächst einmal der Gastgeber. Rechtsstreitigkeiten können aber auch Dritte involvieren: Wenn etwa ein Gast auf der schneebedeckten Einfahrt oder der steilen Treppe stürzt und sich verletzt, haftet zunächst der Eigentümer des Anwesens – der ja nicht unbedingt der Gastgeber sein muss. „Er muss ein verkehrssicheres Gelangen zu der Wohnung bieten“, sagt Dr. Pflügl. Diese sogenannten Verkehrssicherungspflichten können allerdings auch übertragen werden – zum Beispiel an den Gastgeber oder an ein Dienstleistungsunternehmen. Wer die Verantwortung letztlich trägt, muss für jeden Einzelfall ermittelt und überprüft werden. Wirkt eine Unterkunft schon auf den ersten Blick unsicher, ist sie unhygienisch oder fehlt ein Teil der angegebenen Ausstattung, können Gäste mittels einer Rückerstattungspolice kurzfristig von der Buchung zurücktreten. Viel mehr Unterstützung bietet Airbnb in diesem Fall nicht.  

Hat der Gastgeber den Schaden (zum Beispiel bei Sachbeschädigungen, Diebstahl oder Vandalismus), hat er seine Ansprüche gleichermaßen primär gegen den Gast geltend zu machen – nicht gegen die Vermittlungsplattform, auf der er seine Wohnung anbietet. Dr. Pflügl empfiehlt daher, eine entsprechende Versicherung abzuschließen, die auch bei Untervermietungen für Schäden aufkommt. Oder, wenn möglich, von vornherein eine Kaution zu verlangen. Droht eine Auseinandersetzung mit der Polizei – beispielsweise weil der Gast zu laut Musik gehört hat – richten sich die Konsequenzen nur gegen den Lärmenden. „Wer sich gesetzeswidrig verhält, muss die Folgen selbst tragen“, sagt Dr. Pflügl.

Dessen sollte man sich bewusst sein, bevor man eine Airbnb-Unterkunft bucht oder die eigene Wohnung vermietet. Die Pioniere der sogenannten Sharing Economy teilen eben nicht nur den Profit. Sondern auch die Risiken. Nach Vorfällen wie den oben genannten passen die Plattform ihre Regeln zwar oft an. Wenn tatsächlich etwas passiert, sind die Nutzer rechtlich aber erst einmal auf sich allein gestellt. Und das kann unter Umständen ganz schön böse ausgehen – ein kaputtes Bett ist wohl noch das geringste Übel.





Auf was man bei der Vermietung der eigenen Wohnung achten muss

* * * 1 March 2016 | 4:29 pm * * *

Überschrift

Ich kann es nicht mehr hören. „Die Generation Y ist unglücklich: Sie hält sich für etwas Besonderes, weiß aber nicht, warum.“ Immer wieder kursiert das Thema in den Medien, und immer wieder werden dieselben Vorurteile aufgewärmt: Die heute Unter-35-Jährigen hätten zu hohe Ansprüche, sie seien faul und anmaßend. Wohl Ausgang der endlosen Debatte: Der Artikel eines gewissen Tim Urbans, der bereits im September 2013 (!) auf seinem Blog erschienen ist. Darin fällt Urban ein harsches Urteil über unsere Generation: Sie bestehe aus „GYPSYs“ („Gen Y Protagonists & Special Yuppies“), die denken, sie seien der Mittelpunkt einer ganz besonderen Geschichte – die Realität gewordene Truman-Show, sozusagen.   

Schuld daran, so Urban, seien auch unsere Eltern. Sie hätten uns eingetrichtert, wir könnten in unserem Leben alles werden, was wir nur wollten. Dies wiederum habe zu unrealistischen Zukunftserwartungen geführt: Denn während unsere Eltern als Kinder der Nachkriegsgeneration „nur“ einen sicheren Arbeitsplatz mit genug Kohle für Kinder, Katze und Eigenheim wollten, würden wir GYPSYs nach dem „ganz persönlichen“ Traum streben (soll heißen: dem COOLEN sicheren Arbeitsplatz mit genug Kohle für Kinder, Katze und Eigenheim).  

Um das zu erklären, braucht man keinen Master in Psychologie. Es reicht ein Blick auf Wikipedia, Stichwort: Maslowsche Bedürfnispyramide. Die Theorie des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow besagt, dass menschliche Bedürfnisse einer Art Rangordnung folgen: Auf die physiologischen Bedürfnisse (Trinken, Essen, Schlafen, Sex) folgen die Sicherheitsbedürfnisse, dann erst die sozialen und Individualbedürfnisse. An der Spitze der Pyramide: die Selbstverwirklichung. Wir, die Generation Y, sind offensichtlich ganz oben angelangt. Wir leiden keinen Hunger, fühlen uns sicher, führen im Großen und Ganzen funktionierende Beziehungen, sind gebildet und weitestgehend unabhängig. Unsere große Herausforderung ist nun eben die Selbstverwirklichung: Wir wollen den richtigen Partner, den richtigen Wohnort, den richtigen Job. Und nicht irgendeinen.   

Ganz ehrlich: Ich finde das weder überraschend, noch weiß ich, was daran verwerflich sein soll. Wir wollen  also einen Beruf finden, der uns erfüllt – Ruhm und Geld stehen an zweiter Stelle. Warum sollte das nicht okay sein? Dass die Generation Y unmotiviert und faul ist, dass sie erwartet, der Traumjob fliege ihr wie im Schlaraffenland als gebratenes Hühnchen in den Mund, ist schlichtweg Unsinn. Das sagt, unter anderen, auch Audi-Personalvorstand Thomas Sigi: „Diese jungen Leute sind zwar sehr anspruchsvoll, aber auch sehr engagiert. Wenn sie merken, dass man sich ihrer Themen annimmt, sind sie zu sehr hohem Einsatz für das Unternehmen bereit“, so Sigi im Gespräch mit der Tagesschau.   

Kein Wunder, dass die Generation Y die Vorwürfe so langsam satt hat. Unter einen Facebook-Post der Zeitschrift The Atlantic, die Urbans Text vor kurzem mal wieder verlinkt hat, schrieb eine Userin denn auch: „Ich habe diesen Artikel schon einmal gelesen und hasse ihn noch immer. Meine Eltern haben mir beigebracht, hart zu arbeiten und das tue ich. Wenn ich unglücklich bin, dann nur deshalb, weil ich hart gearbeitet habe, um einen Studienabschluss zu erhalten (und tonnenweise Schulden dazu), um wiederum einen „guten Job“ zu erhalten – hart in diesem Job zu arbeiten, schlecht bezahlt zu werden, ohne Krankschreibung, Mutterschaftsurlaub oder sonstige Leistungen. Genug davon!“  

Doch genug ist offenbar noch lange nicht. Erst neulich wieder stand einer dieser Beiträge ganz oben auf meiner Facebook-Timeline: Die Grafik „Why people become unhappy“, gepostet am 16. September von den Machern des Beloved Festivals – mehr als 5000 Mal geteilt, fast 3000 Mal geliket. Eine Grafik mit zwölf verschiedenen Punkten, dargestellt als Piktogramme. Darunter Punkte, die durchaus dazu berechtigt sind, auf dieser Liste des Unglücklichseins zu stehen. Punkt sieben etwa, „hope that other people will make them happy.“ Oder Punkt sechs, ganz offensichtlich: „Try to find meaning in being unhappy“.  

Dann aber Punkt zwei: „Think they are special but can’t explain why“. Dieser Punkt verdichtet Urbans imaginierte GYPSY-Mentalität und deren Hochmut auf einen einzigen Satz. Er suggeriert: Menschen, die das Gefühl haben, etwas Tolles, Einzigartiges zu sein, dies aber nicht erklären können, sind Hochstapler, Lügner, Betrüger. Und überhaupt völlig schief gewickelt. Weil sie nicht verstanden haben, dass sie im Grunde nur eine Ameise unter Milliarden bedeutungsloser Ameisen sind, weil nicht jeder Mensch etwas Herausragendes aus seinem Leben machen kann.    

Das ist, meiner Meinung nach, eine einzige Frechheit. Wer bestimmt denn, dass ein Mensch besonders ist, ein anderer dagegen nicht? Was heißt das überhaupt, „besonders“ zu sein? Dürfen sich nur mehr Leute wie Adele, Manuel Neuer oder Malala Yousafzai einzigartig fühlen? Kann man ein solch vielfältiges Wort überhaupt pauschal benutzen?  

Stimmt schon: Wer „besonders“ im Sinne großer Bekannt- oder Berühmtheit denkt, wird wahrscheinlich an seinen Ansprüchen scheitern. Denn wir können ja nicht alle weltberühmt werden. Wer das Wort aber im Hinblick auf die eigene Einzigartigkeit, auf seine Bedeutsamkeit für sich selbst und sein soziales Umfeld definiert, hat damit vollkommen Recht. Aus diesem Grund ist der Vorwurf der nicht vorhandenen Besonderheit so blöd: Er ist nur destruktiv. Er trägt nicht dazu bei, das Leben als einzigartige Chance zu begreifen. Er hilft nicht, nach der eigenen Sinnhaftigkeit zu suchen oder danach zu streben, die Welt durch die eigenen Fähigkeiten ein bisschen besser zu machen. Denn das kann wirklich jeder: Der Enkel, der seine Oma jeden Dienstag im Altenheim besucht und ihr vorliest. Die Feinmechanikerin, die filigrane Armbanduhren in minutiöser Arbeit herstellt. Der Englischlehrer, der mit seinen Schülern aktuelle Ereignisse bespricht und nicht den Kram von vor 20 Jahren immer wieder durchkaut. Jeder hat Seiten an sich, auf die er oder sie stolz sein kann und die in einem gewissen Kontext unersetzlich sind.  

Besonders sein ist für mich deshalb auch eine Willensfrage: Wenn ich eine Tätigkeit mit all meiner Energie verfolge, wenn ich mich anstrenge, für eine Person da zu sein, wenn ich mein Leben aktiv gestalte – dann bin ich besonders. Wenn ich mich dagegen auf meiner vermeintlichen Nicht-Besonderheit ausruhe, von vornherein resigniere statt der Möglichkeit des eigenen Besondersseins eine echte Chance zu geben, dann sind die Kritiker der Generation Y vielleicht zufrieden. Glücklicher bin man selbst deshalb aber noch lange nicht.

* * * 28 February 2016 | 6:10 pm * * *

"Demnächst müsste so eine Box von der Academy ankommen"

Es war zunächst nur sein Abschlussfilm: Inzwischen hat Patrick Vollrath, 30, für „Alles wird gut“ einige Preise in seiner Wohung stehen, unter anderem die „Rail d'Or“ aus Cannes. Jetzt hat Vollrath sogar Aussichten auf den Oscar. Er ist in der Kategorie "Bester Kurzfilm" nominiert. Das Stück, das nur in sechs Tagen in Wien abgedreht wurde, handelt von einem geschiedenen Vater, der aus Liebe zu seiner Tochter am gemeinsamen Wochenende in eine dramatische Sackgasse steuert. Ein Anruf beim frisch gekürten Oscar-Nominierten.  



        Regisseur Patrick Vollrath

jetzt: Patrick, wie hast du von der Oscar-Nominierung erfahren? Am Telefon?   
Patrick Vollrath: Nein, vor der offiziellen Pressekonferenz bekommt niemand Bescheid, nicht einmal Leonardo DiCaprio. Ich saß am vergangenen Donnerstagnachmittag vor meinem Computer und habe diese Konferenz verfolgt.  

Einen Champagner hattest du schon kaltgestellt, oder?  
Ich habe gehört, wie unser Filmtitel verlesen wurde und war dann natürlich ziemlich benommen. Zum Feiern blieb aber erst einmal keine Zeit, direkt darauf kamen schon die ersten Gesprächsanfragen per Telefon. Eine Stunde später hatte ich die ersten Journalisten in meiner Wohnung stehen, und dann ging es direkt ins ORF-Studio zum Interview. Erst abends habe ich das ganze Filmteam in eine Bar bestellt, und wir haben die ganze Nacht, nun ja, ein paar Bier getrunken.

Alles wird gut“ war dein Abschlussfilm an der Filmakademie Wien. Wusstest du gleich: Das ist ein richtig guter Film geworden?
Nach dem Dreh war ich nicht besonders überzeugt, auch beim Schnitt noch unsicher. Aber als meine Professoren das Ergebnis positiv bewertet haben, war ich motiviert, das Teil mal in die Welt zu schicken.  

http://www.youtube.com/watch?v=JPrRmiJXTVY

Hatte dir  jemand den Rat gegeben, den Film bei der Academy einzureichen? 
Eigentlich nicht, das habe ich aus Eigeninitiative getan, später auch mit Hilfe einer Agentur. Die Professoren kennen sich mit der Verwertung von Kurzfilmen nicht besonders aus. Es ist immer gut, den Film zunächst als Premiere auf einem Festival zeigen zu können. In unserem Fall waren das die internationalen Filmfestspiele in Cannes. Wenn du dort gewinnst, bekommst du automatisch Aufmerksamkeit. Die Leute von der Academy geben außerdem eine Liste von Festivals heraus, deren Gewinner sie für die Oscars im Auge haben. Also habe ich den Film bei möglichst vielen dieser Festivals eingereicht.  

Einen direkten Weg zur Academy gibt es nicht? 
Nein. Erst wenn dein Film bei einem anderen Festival ausgezeichnet wurde, kannst du ihn für die Oscars einreichen. Und bis dorthin ist es ein weiter Weg. Die großen Festivals haben 2000-3000 Anwärter und wählen davon um die 100 aus. Gegen die muss man sich erst einmal durchsetzen. Dann kommt es auf die Longlist der Academy, später auf die Shortlist an, und am Ende steht mit viel Glück die Nominierung für die Oscars. 

Fahren alle, die am Film mitgewirkt haben, zur Verleihung nach Los Angeles? 
Ich weiß leider noch nicht, wie viele Leute ich eigentlich mit zur Verleihung nehmen darf. In den nächsten Tagen müsste hier so eine Box von der Academy ankommen, da stecken die Urkunden, Einladungen und so weiter drin. So ein Trip nach Los Angeles kostet ja auch viel Geld, die Academy zahlt für nichts. Ich will niemanden zwingen, sich zu verschulden, obwohl ich natürlich gerne alle dabei hätte. Ich habe meinen Flug nach LA natürlich schon gebucht. 

Besonders deine Hauptdarstellerin, die erst achtjährige Julia Pointner, hätte einen Platz bei der Verleihung absolut verdient. Im Film spielt sie Lea, die Tochter des verzweifelten Single-Vaters Michael Baumgartner, als hätte sie schon jahrelange Schauspielerfahrung. Wie hast du sie entdeckt?  
Für das Casting der Kinderrolle habe ich sechs Monate gebraucht, zu Beginn war ich noch nicht einmal sicher, ob es ein Mädchen oder ein Junge werden soll. Julia und Simon Schwarz, der den Vater spielt, haben dann von Beginn an harmoniert, das hat perfekt gepasst. Der Dreh selbst hat nur sechs Tage gedauert.
 
Haben sich die beiden vor den Dreharbeiten kennenlernen können?  
Nein, Simon Schwarz ist ein gefragter Typ, der hatte nicht viel Zeit. Nach dem Casting haben sie sich erst wieder am ersten Drehtag für die Abholszene zu Beginn des Films getroffen.  

In besagter Szene fahren die beiden mit dem Auto durch Wien und plaudern über die Woche in der Schule, was ziemlich spontan wirkt. Hast du bei solchen Szenen mit Improvisation gearbeitet?  
Ja natürlich, alle Dialoge sind improvisiert! Wir mussten eigentlich nur das Zusammenspiel der beiden einfangen. Die Sprechpassagen für eine Achtjährige in einem Drehbuch aufzuschreiben, wäre für mich als damals 29-Jährigen verdammt schwierig gewesen. Kinder sprechen ja eine ganz andere Sprache als ich, das kommt improvisiert viel natürlicher rüber.  

Die Wochenendvater-Thematik des Films ist nicht unbedingt naheliegend für dein Alter. Wie kamst du zu diesem Thema?  
Ich bin in der Zeitung auf einen ähnlichen Fall gestoßen, der dem im Film sehr ähnlich war. Das hat mich sehr berührt, diese Frage: Wie kann jemand aus Liebe etwas tun, das demjenigen, den er liebt, wahnsinnig schadet? Der Vater im Film ist ja kein böser Mensch, sondern eigentlich ein liebender Vater.  

Ist dein Hang zum Drama auch auf den Einfluss deines Filmakademie-Lehrmeisters, dem Regisseur Michael Haneke, zurückzuführen?
Wir ticken sehr ähnlich. Dass ich damals an der Filmakademie genommen wurde, lag sicherlich auch daran, dass ich mich wie er für solche Themen interessiere. Ich mag seine Arbeiten sehr und glaube, dass wir grundlegend dieselben Ansichten darüber haben, was einen guten Film ausmacht. Aber klar, ich habe auch viel von ihm gelernt.

Wie sieht es eigentlich bei der Konkurrenz aus? Kennst du die Filme der anderen Nominierten?   Einen der Filme habe ich damals schon beim Studenten-Oscar gesehen, die anderen kenne ich nicht. Ich bin auch nicht der Typ, der Vergleiche anstellt.  

Was rechnest du dir für Chancen aus?
 Am Ende entscheidet die Jury. Schon die Nominierung ist super, die Zeit in LA wird sicher fantastisch. Und natürlich die Verleihung: Die schaue ich, seit ich 13 Jahre alt bin im Fernsehen. Und nun, 17 Jahre später, bin ich selbst dabei, das ist Wahnsinn. Der Oscar selbst wäre nur die Kirsche auf der Torte.  

Aber du willst das Ding schon haben, oder nicht? 
Ach, ich bin da sehr entspannt. Ich glaube nicht wirklich, dass wir gewinnen.

* * * 19 January 2016 | 9:04 am * * *

Wir sind umgezogen.




Es ist jetzt etwa einen Monat her, dass wir verkündet haben, in einem Monat ein neues jetzt an den Start zu bringen. Und jetzt ist sie gestartet, die jetzt-Rakete.

Zum neuen jetzt geht es hier entlang: http://www.jetzt.de

Wir hoffen, du freust dich genauso, wie wir.

Viele Grüße,

deine jetzt-Redaktion


Auf der nächsten Seite findest du noch mal die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Usertexten und dem jetzt Kosmos.

[seitenumbruch]

Wie die Übergangsphase aussieht und was mit den Inhalten aus dem Kosmos passiert



Am 25.1. findet der Relaunch statt. Aber natürlich wird das alte jetzt in seiner jetzigen Form nicht von heute auf morgen abgeschaltet. Es ist uns bewusst, dass hier viele User einen großen Teil ihres digitalen Lebens gespeichert haben, der ihnen wichtig ist und nicht verloren gehen soll. Es verbergen sich in den Usertexten viele Schätze, deren Verlust für uns alle sehr schade wäre.

Das alte jetzt wird deshalb nach und nach auf das neue jetzt übertragen, und Funktionen, die es in Zukunft nicht mehr geben wird, werden erst nach und nach abgeschaltet. Wir versuchen hier, die drängendsten Fragen dazu zu beantworten:

Was passiert mit meinen Texten?
Die bleiben auf jeden Fall erhalten. Wir werden das alte jetzt so lange zugänglich machen, bis jeder die Möglichkeit hatte, seine Inhalte zu sichern. Auch über den Relaunch hinaus, voraussichtlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat.

Was passiert mit meinen Botschaften?
Auch die werden so lange aufgehoben, bis das alte jetzt abgeschaltet wird. Das gilt auch für Gästebucheinträge, Forenbeiträge usw.

Wie lange kann ich mich noch einloggen?
Solange das alte jetzt noch da ist, kannst du dich noch einloggen und damit deine Texte und Botschaften sehen und sichern. Also auch nach dem 25.1. und über den Relaunch hinaus, voraussichtlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat.

Wie lange kann ich noch Texte schreiben?
Ab dem Launch der neuen Seite, also ab kommende Woche, können keine neuen Texte mehr geschrieben werden.

Wie lange kann ich kommentieren?
Ab dem Launch der neuen Seite, also ab kommenden Montag, können auf dem alten jetzt keine neuen Kommentare mehr geschrieben werden.

Wie kann ich auf dem neuen jetzt kommentieren?
Auf unserer neuen Seite werden wir Disqus einsetzen, ein weit verbreitetes und gut funktionierendes Diskussions-Tool, mit unter anderem die Kollegen von sz.de gute Erfahrungen gemacht haben. Du kannst dich dort jetzt schon anmelden und dort auch deinen momentanen jetzt-Usernamen sichern. Es gibt dort keine Klarnamenpflicht.

Bis wann kann ich meine Texte, Bilder, Botschaften usw. noch löschen bzw. sichern?
Löschen: Solange das alte jetzt da ist. Du wirst dich ja auch noch weiterhin einloggen können.
Sichern: Voraussichtlich werden die alten Texte auch nach dem Abschalten des alten jetzt noch vorhanden sein: auf dem neuen jetzt, in neuer Optik. Sie werden dorthin umgezogen. Aber: Sie werden wahrscheinlich nicht mehr sortiert erscheinen, solche Listen wie auf “jetzt.de/username/texte” wird es nicht mehr geben. Sie sind dann also schwerer auffindbar, und wer sie dann erst sichern will, muss sie einzeln suchen. Also besser vorher machen. Weil einige danach schon gefragt haben: Einen Download-Button, mit dem sich ein ganzer User-Account samt Botschaften, Texten, Gästebucheinträgen als pdf oder ähnliches herunterladen lässt, können wir leider nicht anbieten. So eine Funktion wäre natürlich angenehm, ist aber ziemlich aufwändig. Zu aufwändig für uns.

Wir hoffen, keine wichtige Frage vergessen zu haben. Falls doch, bitte Bescheid geben. Du kannst uns hier antworten oder eine Mail an relaunch@jetzt.de schreiben.

* * * 18 January 2016 | 4:00 pm * * *

So sieht ein Smartphone aus, wenn man acht Millionen Follower hat

Demy de Zeeuw hat seine beste Zeit als Fußballer hinter sich. Der 32-Jährige war mal niederländischer Nationalspieler, kickte für Ajax Amsterdam und bei Spartak Moskau. Seit vergangenem Sommer ist der Mittelfeldspieler vereinslos - und hat scheinbar genug Zeit für andere Dinge. Instagram zum Beispiel. Am vergangenen Wochenende postete de Zeeuw über den acht Millionen Follower starken Fußballer-Account 433 ein Foto. Und danach ein Video auf seinem Facebook-Account, das, ganz meta, sein Smartphone kurz nach dem Post zeigt:

http://www.youtube.com/watch?v=ibD3ySx12mg

Als Normalo-Instagrammer mit vielleicht ein paar hundert Followern ist man ja oft schon froh, auf die berühmten elf Likes zu kommen. Man postet ein Foto und wartet auf Push-Nachrichten über ein neues virtuelles Herzchen - es gibt Menschen, die ihre Beiträge wieder löschen, wenn sie in den ersten paar Minuten nicht genügend Likes abgreifen. Dieses Problem kennt de Zeuuw nicht. Eindeutig nicht. 

max-sprick

* * * 13 January 2016 | 3:24 pm * * *

Das ist.. Samar Badawi, gerade inhaftierte Frauenrechtlerin




Das ist...


Samar Badawi, 34, die sich in in  Saudi-Arabien für ihre Rechte als Frau einsetzt und am Montag in Dschidda festgenommen wurde. Sie ist die Schwester des Bloggers Raif Badawi, der eine zehnjährige Gefängnisstrafe absitzt. Dazu musste er 50 öffentliche Peitschenhiebe ertragen, was von Menschenrechtsorganisationen heftig kritisiert wurde. Badawis "Vergehen": Abfall vom Islam. Was seine Schwester Samar verbrochen haben soll, ist bisher unklar. Vermutlich geht es aber um den Einsatz zur Befreiung ihres Ex-Mannes, der ebenfalls für seine politische Arbeit inhaftiert wurde.   

Die kann...


als Frau in Saudi-Arabien kein normales Leben führen. Bereits vor der aktuellen Verhaftung hatte Badawi immer wieder Probleme mit der ultra-konservativen Gesetzgebung: Als sie 2009 vor ihrem prügelnden Vater in ein Frauenhaus flüchtete, zeigte dieser sie mehrfach wegen Ungehorsams an. Parallel dazu lernte Badawi einen Mann kennen, den sie heiraten wollte. Ohne die Erlaubnis des bisherigen männlichen Vormundes darf eine Frau in Saudi-Arabien allerdings nicht in die Ehe gehen - der Vater verbot die Hochzeit. Daraufhin zeigte Badawi ihn an: Wer seine Tochter unnötig lange zum Single-Dasein zwingt, begeht laut saudischem Gesetz ebenso eine Straftat. Verhaftet wurde allerdings seine Tochter. 2010 kam sie nach sieben Monaten Haft frei und konnte ihren Onkel als neuen Vormund eintragen lassen.  

Die geht...


trotz aller Einschüchterungen seit Jahren gegen die Einschränkungen im Alltag von Frauen in Saudi-Arabien vor: Als ihr die Behörden keinen Führerschein ausstellen wollten, klagte sie mit anderen Frauen auf ihr Recht zum Autofahren. 2011 reichte sie dann als erste saudi-arabische Frau überhaupt eine Klage auf ihr Wahlrecht bei den damaligen  Kommunalwahlen ein.  Unter dem Hashtag #saudiwomenrevolution protestierten daraufhin zahlreiche Frauen für ein Ende ihrer Unterdrückung.  Nachdem König Abdullah nachgegeben hatte, konnten sich Frauen bei der darauffolgenden Wahl im Jahr 2015 erstmals als Kandidatinnen aufstellen lassen und abstimmen. Im selben Jahr überreichte ihr Hillary Clinton den International Women of Courage Award.  

Wir lernen daraus,...


dass sich das saudische Königshaus weiterhin nicht zu schade ist, auch bekannte AktivistInnen vor den Augen der Weltgemeinschaft kurzerhand einzukassieren und zu bestrafen. 2015 waren es die Peitschenhiebe für Raif Badawi und die Massenhinrichtung von 47 Menschen, inklusive dem schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr, die für Empörung sorgten. 2016 soll der Regimekritiker Ali al-Nimr ans Kreuz genagelt werden, ein Neffe von Nimr al-Nimr. Und auch der Fall von Raif Badawis Schwester Samar wird sich in die traurige Liste an Gründen einreihen, warum der Westen seine Zusammenarbeit mit dem "Stabilitätsanker im Nahen Osten" endlich einmal überdenken sollte.   

Google weiß,...


dass Saudi-Arabien trotz der aktuellen Geschehnisse den Vorsitz  eines Beratergremiums des UN-Menschenrechtsrats behält.


* * * 13 January 2016 | 2:56 pm * * *

"Ich lasse mich nicht mundtot machen"





Cem F. ist stolz darauf, Türke zu sein. Die Türkei ist sein Land. Trotzdem hat er Angst vor ihr. Wegen drei Terror-Anschlägen in einem halben Jahr und wegen der Überwachung durch seine Regierung. "Benutze nicht meinen richtigen Namen, man darf mich mit diesem Interview nicht bei Google finden", sagt der 27-jährige Istanbuler. Dann spricht er.


jetzt.de: Wie hast du diesen Morgen erlebt?  
 
Cem: Ich arbeite im Marketing eines Logistik-Unternehmens und war in meinem Büro, als ich einen Knall hörte. Ich habe ich nicht gleich an eine Bombe gedacht. Aber weißt du, seit etwa einem Jahr ist es für uns Türken fast schon normal geworden, von Explosionen und Anschlägen zu hören. Das gehört zu unserem Alltag. Es hat mich also nicht überrascht, als ich dann im Radio hörte, dass der Knall von einem Selbstmordattentäter im Zentrum verursacht wurde.   

Nach der Explosion am Morgen in Istanbul ließ Präsident Erdogan Nachrichtenseiten sperren - warum?  
Im Radio sagten sie auch, dass in unmittelbarer Umgebung der Explosion Polizisten Menschen verhaftet haben, die Fotos machen wollten oder über das Geschehene gesprochen haben. Dass die Regierung Telefonate und soziale Medien überwacht, weiß hier auch jeder. Also könnte ich nach unserem Gespräch verhaftet werden. Aber ich möchte darüber reden, ich lasse mich nicht mundtot machen.  

Der IS verübte im vergangenen halben Jahr zwei Anschläge in der Türkei, Behörden gehen davon aus, dass auch der Istanbuler Anschlag der Terrormiliz zuzurechnen ist. Präsident Erdogan sagt, gerade die Türkei sei erstes Ziel aller aktiven Terrororganisationen – wie fühlst du dich in Istanbul momentan?  
Auf gar keinen Fall in Sicherheit. Und die Regierung tut auch nichts dafür, dass sich daran etwas ändert.  

Was heißt das?
Weil Erdogan dieses Chaos doch nur zu Gute kommt. Je mehr Anschläge, je mehr Angst, desto mehr Wähler für ihn. Das Einzige, was sich nach Suruc und Ankara geändert hat, war gestiegene Polizei-Präsenz an öffentlichen Plätzen. Die waren aber nur da um aufzupassen, dass sich nicht wieder Proteste wie in Gezi entwickeln.   

Aber Erdogan sagte nun auch: "Ich protestiere zutiefst gegen diesen Terror. Dieser Anschlag zeigt noch einmal, dass wir in Einigkeit dem Terror entgegentreten müssen.“  
Typisch. Er provoziert mit allem, was er sagt. Erdogan wird umso mächtiger, je mehr Chaos er schafft. Er teilt die Bevölkerung in zwei Lager: Gegner und Unterstützer. Dadurch, dass er sagt, er sei Freund und Beschützer aller Muslime, hat er die Mehrheit der Türkei hinter sich.   
Kurz vor dem Istanbuler Anschlag distanzierte sich eine etwa 1000 Personen große Gruppe Akademiker von ihm und forderte öffentlich Frieden.   Und er antwortete: „Ihr habt doch keine Ahnung von Politik.“ Das muss man sich erstmal vorstellen. Wir sind ein Staat, in dem es Akademikern nicht möglich ist, offen über Politik zu reden. Wahrscheinlich werden sie für ihre Forderung auch noch bestraft.   

Neben diesen Anschlägen flammt in der Türkei auch der Kurden-Konflikt immer weiter auf. Ist es da überhaupt realistisch, auf Frieden zu hoffen?  
Mit Erdogan als Präsidenten wird es keinen Frieden geben. Die Message hinter den IS-Anschlägen ist ja klar: Türkei, kooperiere nicht mit dem Westen. Genau das muss die Türkei aber tun, seit Erdogan sich in den vergangenen drei Jahren immer mehr als Führer im Mittleren Osten profilieren will. Dabei ist unser Staat dafür weder wirtschaftlich noch politisch in der Lage, wir können uns nicht im Mittleren Osten groß aufspielen. So sind wir nur zum Feind aller dortigen Akteure geworden. Erdogan hat den IS in Syrien unterstützt, weil er sich den Sturz Assads erhoffte. Und jetzt verübt genau dieser IS Anschläge in der Türkei – und das Vertrauen in Erdogan dürfte wegen der Angst vor dem Terror noch steigen. Diese Ironie ist eigentlich unvorstellbar.  

Würdest du in der momentanen Lage Touristen davon abraten, in die Türkei zu reisen?  
Nein. Dafür ist unser Land viel zu schön (lacht)! Aber Spaß beiseite: Sultanahmet steht auf der Liste jedes Touristen. Wir Istanbuler gehen dort eigentlich nur hin, wenn wir ausländische Besucher haben, ansonsten zieht uns da nichts hin. Man kann nie vorhersagen, ob etwas passieren wird. Man kann natürlich öffentliche Plätze und Sehenswürdigkeiten meiden – damit würde man sich aber nur dem Terror beugen und vor dem IS kapitulieren. Klar haben wir jetzt Angst vor weiteren Anschlägen. Aber wir dürfen uns nicht verstecken und diese Angst zum Teil unseres täglichen Lebens werden lassen.

* * * 12 January 2016 | 7:37 pm * * *

Neues Label, neues Radiohead-Album?


 Radiohead-Mastermind Thom Yorke. Hier mal nicht als Firmengründer.

"Dawn Chorus LLP", so nennt sich das Unternehmen, das Radiohead bereits im Oktober angemeldet haben. Seit das Radiohead-Forum At Ease vor ein paar Tagen über das neue Unternehmen im britischen Handelsregister gestolpert ist, ist der musikaffine Teil des Internet ganz hibbelig: Kommt endlich ein neues Radiohead-Album? Kommt es vielleicht schon in den nächsten Tagen?  

Vieles spricht dafür: Die Gleichung "Labelgründung gleich Plattenrelease in höchstens zwei Monaten" ist bei Radiohead eine ziemlich verlässliche. Bereits die zwei Vorgängeralben waren auf Labels erschienen, die nur zwei Monate vorher von der Band als Unternehmen ins Leben gerufen worden waren.  

2007 hatte sich die Band mit ihrem bisherigen Label EMI und deren neuem Management Terra Firma zerworfen und beschlossen, ihre Alben anders zu vermarkten. So erschien "In Rainbows" auf "Xurbia Xendless" und "In Rainbows" auf "Ticker Tape", gegründet als Sublabels der Indie-Bastion XL Recordings. Auf beiden Mini-Labels sollten außer den jeweiligen Alben keine weiteren Werke veröffentlicht werden. Wozu auch immer die Firmengründungen also gut sein sollen, ein erstes Zeichen für ein kommendes Radiohead-Album sind sie allemal. Auch der Name des vermeintlichen neuen Labels "Dawn Chorus LLP" ist ein Indiz für neues Songmaterial. Schon 2009 hatte Thom Yorke von einem neuen Track namens "Dawn Chorus"  gesprochen, an  dem er gerade arbeite.  

Nimmt man das alles zusammen, ist das neue Album geradezu überfällig. Einen ordentlichen Prerelease-Hype hat die Band zumindest schon mal meisterlich hinbekommen.

quentin-lichtblau 

* * * 12 January 2016 | 11:46 am * * *

Das ist: Dean Strang, Durchschnitts-Typ und neuer Frauenheld





Das ist...


Dean Strang. Er ist Strafverteidiger in Madison, im US-Bundesstaat Wisconsin. Er sieht aus wie "every Dad you've ever met", wie ein durchschnittlicher Familienvater, schreibt Nicole Silverberg bei gq.com. Und trotzdem verdreht er im Internet gerade Tausenden Frauen so den Kopf, dass sie mit Herzchen verzierte Fotos von ihm auf Facebook und Twitter posten. Fans schicken ihm begeisterte Mails - mehr als 1000 Stück in zwei Wochen, sagt er in einem Interview. Auf Twitter fordern viele, dass der beliebte Anwalt eine eigene Serie kriegen sollte. Mindestens. Dabei ist Dean Strang bereits im Fernsehen zu sehen, beziehungsweise in der zehnteiligen Netflix-Dokumentation "Making a Murderer". Wenn auch nicht als Hauptfigur, sondern nur als heimlicher Held im Normalo-Outfit. 

Der kann...  


sich ganz großartig um seine Klienten sorgen. In "Making a Murderer" geht es um den Fall Steven Avery. Ein inzwischen 53-jähriger Mann, der im Gefängnis saß, weil er eine Frau vergewaltigt haben soll. Bis nach 18 Jahren seine Unschuld bewiesen wurde und er frei kam. Jetzt aber ist er wieder im Gefängnis, für einen Mord, den er - so der Eindruck, den "Making a Murderer" hinterlässt - wohl ebenfalls nicht begangen hat. Dean Strang ist einer der beiden Anwälte, die Avery verteidigen. Er ist von der Unschuld seines Klienten überzeugt - und würde sich dennoch wünschen, dass Avery schuldig wäre: "Weil der Gedanke, dass er unschuldig ist und schon wieder für etwas, das er nicht getan hat, ins Gefängnis muss, und dieses Mal für den Rest seines Lebens, ohne jegliche Chance auf vorzeitige Entlassung... Das kann ich nicht ertragen."

Daraus lernen wir...


dass Boygroup-Mitglieder und männliche Unterwäsche-Models kein Monopol auf ihren Status als Mädchenschwarm haben. Manchmal ist eben ganz egal, ob man aussieht wie Brad Pitt oder der mittelerfolgreiche Familienvater von nebenan. Solange man eben einer von den "good guys" ist, und das auch zeigen kann. Einer, der die Wut, die viele Zuschauer angesichts der Ungerechtigkeit empfinden, nicht nur in kluge und juristisch wasserdichte Worte fassen kann. Sondern bei dem man diese Wut auch spüren kann. 

Nur Google weiß, ...


dass Dean Strang bereits ein eigener Tumblr gewidmet wurde. Genauer: seinem Kleidungsstil, der genauso normal-familienväterlich-bodenständig ist wie der ganze Rest seines Auftretens. "Normcore" sagt man dazu wohl. Oder in diesem Fall: "Strangcore".

* * * 12 January 2016 | 11:37 am * * *

Ein Jahr Anti-Pegida-Demos in München: "Man muss dagegen halten"

Heute jährt sich die erste Pegida-Demonstration in München. 40 Mal ist die Bewegung seitdem durch die Münchner Innenstadt gezogen. Melissa, 21, stand fast jeden Montag auf der Gegenseite.





jetzt.de: Melissa, du demonstrierst schon seit einem Jahr fast wöchentlich gegen Pegida. Hat sich denn im Laufe des Jahres irgendetwas dabei verändert?

Melissa: Man hat schon gemerkt, dass die Zahl der Gegendemonstranten insgesamt eher abgenommen hat. Es gibt natürlich auch ganz große Gegendemos, wie zum Beispiel am neunten November, aber an so „langweiligen Montagen“ sind die Zahlen eher zurück gegangen.

Wer kommt denn zu den Demos?
Es ist ein fester Kern entstanden. Es gibt Gesichter, die man immer wieder sieht, sowohl auf der Pegida-Seite als auch bei den Gegendemonstranten.

Man kennt sich also schon. Grüßt du deine Pegida-Gegner dann?
Ein paar markante Gesichter erkenne ich schon immer wieder. Ich habe gemerkt, dass die ziemlich verunsichert sind, wenn man sie einfach nett anlächelt. Denn eigentlich wollen sie provozieren und schauen dann lieber gleich weg.

Wieso gehst du jeden Montag auf die Straße?
Weil ich es wichtig finde, dass man seine Position vertritt und dass die Gesellschaft und die Menschen, die hierher flüchten, auch sehen, dass die Meinung der Pegida-Sympathisanten nicht von der Mehrheit vertreten wird. Ich habe von Bekannten aus Dresden gehört, dass dort wegen der Pegida-Demos eine schlechte Stimmung herrscht und Leute schon Angst haben. Deshalb konnten angeblich Projekte für Flüchtlinge nicht gemacht werden. Das darf in München nicht passieren. Aber das glaube ich auch nicht, weil es wirklich sehr wenige Pegida-Demonstranten sind. Trotzdem muss man dagegen halten.

Gab es besonders unangenehme Momente?
Das krasseste Erlebnis war, als ein Pegida-Demonstrant auf unsere Seite kam und „Ihr gehört vergast“ sagte. Er ist gleich wieder verschwunden, aber das war schon schockierend. Es hat mich aber auch bestärkt, weiter jeden Montag gegen solche Leute auf die Straße zu gehen.

Wie aggressiv hast du die Stimmung auf den Demos empfunden?
In Situationen, in denen beide Seiten direkt aufeinandertreffen - meistens sind wir durch Polizei und Absperrungen getrennt - ist die Lage sehr angespannt. Sonst ist es auf unserer Seite deutlich entspannter.

Hast du auch manchmal Angst?
Auf den Demos habe ich mich manchmal schon bedroht gefühlt. Zum Beispiel, als ein Mann sich ganz nah an mich gestellt hatte und meinte, dass ich als Frau doch auf der falschen Seite stehe und ob ich nicht Angst habe vor den Männern, die kommen. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich mehr Angst vor ihm habe. Gegenreaktionen bekam ich auch manchmal im Alltag, weil ich an meinem alten Rucksack einen „München ist bunt“-Button trug.

Hast du für die Demo schon Termine ausfallen lassen?
Nein, da habe ich dann eher die Demo ausfallen lassen oder bin mal nur ne Stunde hingegangen. In letzter Zeit ist es aber einfach fest in meinem Terminplan.

Was erwartest du heute Abend?
Ich glaube, dass es ziemlich witzig wird, weil es unser Gegendemo-Jubiläum ist und die Leute Luftschlangen und Tröten mitbringen sollen.

Viele Menschen haben an einem Montagabend keine Zeit demonstrieren zu gehen, teilen aber eure Ansichten. Was können diese Menschen tun, um Pegida und Co. nicht das Feld zu überlassen?
Es gibt ja verschiedene Ebenen, auf denen man sich engagieren kann. Jeder kann auf jeden Fall im Alltag seine Meinung gegen Fremdenfeindlichkeit vertreten und auch dagegen reden, wenn rassistische Sprüche geäußert werden.

* * * 11 January 2016 | 7:01 pm * * *

Wer David Bowie gesampelt hat

"Let's Dance"



http://www.youtube.com/watch?v=B2HWuR2mq5M

In einer der besten Folgen der ohnehin großartigen MTV-Sendung „Celebrity Deathmatch“ (Knetfiguren von Berühmtheiten zerfleischen einander) kämpft Puff Daddy gegen den Nine-Inch-Nails-Frontmann Trent Reznor. Großer Kampf. Viel Blut. Noch mehr Musikerhumor. Und ein paar harte Wirkungstreffer von Reznor. Als er jedoch zum Finishing-Move ansetzen will, greift Puff Daddy in seine Plattenkiste und zerteilt Reznor mit ein paar wurfsternartig herausgeschlenzten Vinyl-Scheiben. Wortspiel des Kommentators: „Again, Puffy is using other people’s records to make his hits!“

Stark! Weil ja so wahr. Weder als Puff Daddy oder P. Diddy noch unter seinem Geburtsnamen Sean Combs ist der Hip-Hop-Produzent schließlich ein sonderlich subtiler Samplekünstler, der seine Werke aus Einzelbausteinen zusammensetzte. Meistens nimmt er einfach gleich das ganze Playback (siehe „I’ll Be Missing You“). Auch hier: Der Song besteht quasi komplett aus Bowies „Let’s Dance“ – mit ein paar Extra-Drums angefettet und etwas langsamer gepitcht. Und mit The Notorious B.I.G., der den Refrain von Lisa Stansfields „All Around The World“, nun, singt.

http://www.youtube.com/watch?v=qni6KXVOh2Y

"Heroes"


http://www.youtube.com/watch?v=jBuwC4VJi50

Es ist ja falsch, David Guetta aus Prinzip zu hassen. Der Mann ist schließlich gut in dem, was er tut. Nur das ist manchmal eben etwas offensiv einfach. In Fall von „Just For One Day“: Die Hookline von „Heroes“ nehmen und einen Stampfbeat und ein paar Kirmes-Synthies dazu bauen. Dafür nennt er Bowie wenigstens im Titel …  

http://www.youtube.com/watch?v=8tja6kTm6BQ

"Fame"


http://www.youtube.com/watch?v=J-_30HA7rec

Bei Jay Z’s „Takeover“ muss man etwas warten – bis Minute 2.40, um genau zu sein –, bis Bowies „Fame“ auftaucht. Und da auch nur der Shout-Part aus dem Refrain. Das Hauptsample stammt vom The-Door’s-Song „Five to One“.

http://vimeo.com/12125680
   
Dafür hat Lady Gaga kapiert, wie genial angezeckt und kantig der Originalgroove durch die Szenerie eckt – ein bisschen wie ein Küchenregal auf der Balz nämlich. Und hat ihn für ihr „Fancy Pants“ direkt übernommen. Allerdings mit einer durchaus sehr brauchbaren eigenen Melodie.  

http://www.youtube.com/watch?v=pnHAlqAQPFg    

"Win"


Hier statt Kanten absolute, schmeichelnde „Slow-Jam“-Wonne: 

„Win“ von David Bowie  

http://www.youtube.com/watch?v=mB9RSG-56wU
 

Vs. „Debra“ von Beck  

http://www.youtube.com/watch?v=YwXeCuhEch8


"Under Pressure" (Queen)


http://www.youtube.com/watch?v=a01QQZyl-_I

Vorab ein schnelles Geständnis: Mir war bis eben nur sehr unterbewusst klar, dass David Bowie bei Queens „Under Pressure“ mitsingt. Obwohl es ja himmelschreien offensiv ist: es sind schließlich ganze Strophen. Und die Bridge. Sei’s drum. Das hat jedenfalls Vanilla Ice draus gemacht:  

http://www.youtube.com/watch?v=2Tvdm_gTTg4    

"Changes"


http://www.youtube.com/watch?v=pl3vxEudif8

John Frusciantes Album „Smile From The StreetsYou Hold“ ist ein Resultat der ausklingenden Heroinsucht des ehemaligen Red-Hot-Chili-Peppers-Gitarristen. Das merkt man. Es reicht deshalb vielleicht zu wissen, dass bei 54 Sekunden ein kurzer Strahl von Bowies „Changes“ ein wenig Licht in den Song bringt. Wer sich gerade nicht so gut fühlt (oder viel, viel zu gut) darf natürlich aber die restlichen sechs Minuten auch gerne noch hören.  

http://www.youtube.com/watch?v=ZEAoTZEeWZw 

* * * 11 January 2016 | 6:01 pm * * *

"Wir müssen an zwei Fronten unterwegs sein: gegen Sexismus und Rassismus"


Stefanie Lohaus, Mitherausgeberin des Missy Magazins und Mitverfasserin des Staments #ausnahmslos

jetzt.de: Nach Köln gab es es Kritik, dass jetzt keiner einen #Aufschrei startet – ist euer Statement und der Forderungskatalog #ausnahmslos eine Reaktion darauf?
Stefanie Lohaus: Nein. Es ist eine Kritik daran, dass rechte Populisten und Populistinnen feministische Themen für ihre Anliegen missbrauchen. Kübra Gümüsay, Anne Wizorek und Emine Aslan haben das initiiert und uns alle angeschrieben. Am Mittwoch hatten Anne und ich aber schon für Vice über das Thema geschrieben – und der Artikel war tatsächlich eine Reaktion auf diesen seltsamen Angriff, dass es keinen #Aufschrei gab. Der kam ja von den Leuten, die normalerweise sexuelle Gewalt verharmlosen und Victim Blaiming betreiben. Das ist völlig absurd.

Es geht euch vor allem darum, dass feministische Anliegen nicht von Populisten und Rassisten missbraucht werden dürfen. Ist das ein gängiges Problem des Feminismus?
Ja, das ist ein Problem. Dieses ganze Narrativ vom „fremden Mann", der die „weißen Frauen“ bedroht, und dass „weiße Männer“ sie verteidigen müssen, ist patriarchal und rassistisch – in dieser Erzählung geht es nicht um das, was passieren muss, nämlich strukturelle Änderung und Gewaltprävention. Das System muss so verändert werden, dass niemand Angst vor Gewalt haben muss. Wir müssen also an zwei Fronten auf einmal unterwegs sein: gegen Sexismus und gegen Rassismus.

Ihr kritisiert, dass sexuelle Gewalt jetzt thematisiert wird, weil es vor allem um „Ausländer“ geht. Aber war es nicht eher das Ausmaß der Gewalt, das dafür gesorgt hat, dass das Thema groß wurde?
Spezifisch war an den Taten in Köln die Form der Organisation, also die Formierung von Gruppen, und dass sie dadurch Diebstähle begehen. Das ist etwas anderes als individuelle Übergriffe – aber eben nur von der Form her. Insgesamt ist es sehr schwierig, das Ausmaß der Gewalt einzuschätzen. Denn oft werden Belästigungen einfach nicht angezeigt. Das heißt: Die Anzeigebereitschaft ist in diesem Fall extrem hoch, das sagt etwa auch der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe: Frauen fällt es leichter, Anzeige zu erstatten, wenn Täter auch medial schon so benannt werden. Es wäre schön, wenn die Anzeigebereitschaft immer so hoch wäre.

"Gerade für die Geflüchteten und die Muslime, die jetzt unter Generalverdacht stehen, ist es extrem wichtig, aufzuklären, wer die Täter waren"


Könnte es sein, dass es dadurch langfristig einen positiven Effekt gibt, also die Anzeigebereitschaft in Zukunft generell höher ist?
Das kommt drauf an, ob wir es schaffen, das Thema langfristig zu etablieren. Wenn das Narrativ „Das sind die Fremden!“ gewinnt, dann verpufft die Anzeigebereitschaft wieder. Es hat also viel damit zu tun, wie die Gesellschaft über sexualisierte Gewalt spricht.

Darf man dabei nicht über die Herkunft der Täter sprechen?
Doch, man muss sogar sehr genau über die Täter aufklären. Man sollte nichts verschweigen, aber dann eben auch genau sein! Gerade für die Geflüchteten und die Muslime, die jetzt unter Generalverdacht stehen, ist es extrem wichtig, aufzuklären, wer das war, was deren soziale Hintergründe waren, ob sie schon im Herkunftsland Straftäter waren und so weiter. Und man muss immer im Blick behalten: Der andere Kontext, warum das passiert, ist eben Deutschland!

Weil die deutsche Polizei versagt hat?
Zum einen das. Und zum anderen, weil nach deutschem Gesetz der größte Teil der Übergriffe keine Straftaten darstellen. Wenn der Täter zum Beispiel alkoholisiert war, ist das für ihn strafvermindernd. Der Diebstahl wird am Ende wahrscheinlich schwerer geahndet. Darüber müssen wir eben auch sprechen: Das ist unser System, das wir geschaffen haben, und das nicht von außen gekommen ist.

Ihr stellt Forderungen an alle Bereiche des öffentlichen Lebens. An die Politik, die Gesellschaft, die Medien. Was braucht es vor allem, um die umzusetzen? Zeit? Geld? Bildung?
Alles davon! Das sind sehr komplexe gesellschaftliche Probleme. Unser Forderungskatalog ist lang, aber da stecken viele Erkenntnisse drin, die die feministische Forschung in den letzten Jahrzehnten gewonnen und diskutiert hat. Er ist also auch ein Anlass für alle, diese Erkenntnisse endlich ernst zu nehmen. Anstatt sie immer noch abzutun mit Aussagen wie: „Alles Hysterikerinnen, die sich über einen dummen Spruch an der Bar aufregen!“

Läuft es irgendwo schon besser als in Deutschland?
Ja, in den skandinavischen Ländern. In Schweden zum Beispiel ist die Anzeigebereitschaft viel höher als hierzulande. Und die steigt, wenn man glaubt, dass man Recht bekommt.

Kannst du mir drei Punkte aus eurem Forderungskatalog nennen, die ich als Einzelperson jetzt sofort umsetzen kann?
Die Reflexion von Seximus und Rassismus, also dich selbst zu fragen, wen du für was verantwortlich machst. Eingreifen, wenn du Zeugin sexualisierter Gewalt wirst. Und mutig sein und die anderen, vor denen man vermeintlich Angst haben muss, treffen. Raus aus der Bubble!

* * * 11 January 2016 | 4:36 pm * * *

Wie gut ist "Schulz und Böhmermann" wirklich?

Das Prinzip





Erinnert etwas an:






Erste Reaktion beim Anschauen deshalb:


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[seitenumbruch]

Die Fragen






Interaktion mit den Gästen:


Erst:
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Dann:
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Als nächtes:
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Und als übernächstes:
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Gerne auch:
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Am liebsten aber:
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Die Sendung als Drink


5cl Jim Beam mit Fritz Cola aufgießen
"Jack Daniel's Cola" drüberschreiben

* * * 11 January 2016 | 2:30 pm * * *

"Es ist verboten, über Politik zu reden"

Elias Löwenhardt* war mit der Organisation „Sar-El“, die Freiwilligendienste in der Israeli Defence Force anbietet, drei Wochen beim israelischen Militär. Die Freiwilligen sind dort keine Kombattanten, d.h. sie tragen keine Waffen und kämpfen nicht, sondern helfen etwa in der Küche, im Sanitätswesen, im Nachschub oder bei der Instandsetzung aus.





jetzt.de: Jetzt, wo du deinen Dienst bei der israelischen Armee beendet hast, wirst du den in deinen Lebenslauf eintragen?
Elias: Nein, der hat da nichts zu suchen. Ich hatte schon einmal Schwierigkeiten, als ich meine Einstellung zu Israel und der Armee öffentlich gemacht habe.

Welche genau?

Ich war auf der Suche nach einem WG-Zimmer und hatte bereits die Zusage. Nachdem ein Bewohner jedoch ein Bild von mir mit israelischen Soldaten auf Facebook gesehen hatte, änderte er seine Meinung und ich durfte doch nicht einziehen.  

Und du befürchtest ähnliche Reaktionen, wenn du offen damit umgehst, das du bei der israelischen Armee warst?

Es ist doch so: Alles was mit Israel zu tun hat, ist politisch. Aber ich habe den Freiwilligendienst ja nicht aus rein politischen Gründen gemacht. Sondern eher aus persönlichen.

Welche waren das?
Ich wollte mir einen Einblick in das Land verschaffen und es kennenlernen. Ich habe jüdische Wurzeln und auch Familie im Holocaust verloren. Und ich bin der Meinung, dass der Staat Israel der Zufluchtsort für Juden aus aller Welt ist.

Und du findest, dass die Armee der beste Ort ist, dieses Land kennenzulernen?

Der Konflikt und ein gewisser Militarismus gehört leider zum Land. Deshalb gilt die Wehrpflicht für fast jeden Bürger hier. Ausgenommen sind arabische Israelis, ultra-orthodoxe Juden und Bürger, die körperlich eingeschränkt sind. Ich wollte ein Teil davon sein oder dem wenigstens näher kommen. Ich habe mir immer gesagt, wenn ich eine Armeeuniform trage, dann die israelische. Israel kann ohne das Militär nicht überleben.

Wieso nicht?

Weil Israel sich seit seinen Anfängen im Krieg befindet und von Nachbarn umzingelt ist, die es auslöschen wollen, insbesondere der Iran. Die Armee ist auch keine, die Angriffskriege führt sondern nur zur Verteidigung dient. Das steckt ja schon im Namen – Israeli Defence Force.

Wie haben Freunde und Familie reagiert, als du ihnen gesagt hast, dass du einen Freiwilligendienst in der israelischen Armee machen möchtest?

Niemand war wirklich geschockt als ich das erzählt habe. Mein Umfeld kennt mich gut und deswegen waren sie nicht überrascht. Interessanter waren die Reaktionen der Israelis.

Inwiefern?

Einige waren verwirrt und fanden es befremdlich, dass ich freiwillig zur israelischen Armee gehe. In Israel muss jeder Junge für drei, jedes Mädchen für zwei Jahre zur Armee. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber fast alle haben es durchgemacht und vielen hat es in der Armee nicht gefallen. Es gab aber auch Leute, die es gutgeheißen haben, dass ich dadurch das Land unterstütze.

Wie kann man bei Sar-El als Freiwilliger mitmachen?

Man muss sich bewerben. Ich musste mir ein Gutachten vom Arzt besorgen um zu zeigen, dass ich körperlich fit bin. Außerdem habe ich eine Empfehlung vom Vorsitzenden der deutsch-israelischen Gesellschaft bekommen. Das ist ein Verein, der sich für die Interessen der Beziehungen beider Länder einsetzt. Aber man kann auch zu einem Rabbiner oder zu einem Pfarrer gehen, die einem bescheinigen, dass man im Interesse Israels diesen Dienst machen möchte. Ich habe die Bewerbungsunterlagen mit meinem Lebenslauf und einem polizeilichen Führungszeugnis nach Berlin geschickt, wurde zum Gespräch eingeladen und habe dann ein paar Wochen später die Zusage bekommen.

Stand da schon genau drin, was du wo machen wirst?

Nein, bis man in Tel Aviv am Flughafen angekommen ist, weiß man nicht, auf welcher Basis man für die nächsten drei Wochen seinen Freiwilligendienst macht. Nach der Anreise wird man von einer Betreuerin in Gruppen eingeteilt. Ich darf auch niemanden erzählen, wo ich genau war.

Wie sah dein Alltag aus?

Um 7.30 Uhr gab es einen Fahnenappell. Danach wurde uns in einem kurzen Briefing erklärt, was an dem jeweiligen Tag ansteht. Gearbeitet wurde bis 17 Uhr, mit Mittagspause. Nach dem Abendbrot gab es Programm, Vorträge oder kleine Filmvorstellungen über die Geschichte und Kultur Israels. Wir haben viel über die Anfänge der IDF gelernt, die sich aus den damaligen Untergrundkämpfern der Hagana gebildet hat, Vorträge über Soldaten bekommen, die im Krieg gefallen sind, und Eindrücke und persönliche Geschichten gehört, wie die hinterlassenden Familien damit umgehen. Das hat einen am meisten mitgenommen.

>>>> "Eine Freiwillige mit  82 Jahren sagte, dass sie einfach noch ein Abenteuer erleben wollte."

[seitenumbruch]Was war dein Job?
Die Arbeit war eher langweilig. Ich war mit anderen Freiwilligen für die Instandsetzung der Werkzeuge verantwortlich. Wir haben Kleinteile sortiert und geschaut, ob die in Ordnung waren oder nicht. Wir haben auch Batterien tragen müssen, die zum Teil 40 Kilo gewogen haben.

Hattet ihr Kontakt zu richtigen IDF-Soldaten oder wurdet ihr strickt getrennt?

Wir sind denen auf der Basis oft über den Weg gelaufen und haben uns nett unterhalten.

Wie viele Freiwillige waren mit dir da und wo kamen sie her?

Mit mir zusammen haben 300 Personen angefangen und in meiner Gruppe waren zwölf Freiwillige aus acht Ländern. Unter anderem US-Amerikaner, Schweden, Kanadier und Engländer.

Was war deren Motivation für den Freiwilligendienst?

Ein Amerikaner war der Meinung, dass seine Regierung nicht genug für Israel tut. Also hat er das sozusagen selbst in die Hand genommen. Ein Schwede war vom Antisemitismus in seinem Land getroffen und wollte mit dem Dienst ein Zeichen setzen. Eine kleine Dame, 82 Jahre alt, sagte, dass sie einfach noch ein Abenteuer erleben wollte.

Gab es einen gemeinsamen Nenner unter euch Freiwilligen?

Eine gewisse Affinität zu Israel hat uns alle verbunden. Es ist verboten, über Politik zu reden, aber es war nicht zu vermeiden. Gerade während der Messer-Attacken im Herbst haben wir über Politik und die teilweise einseitige Berichterstattung gesprochen.

Wie war die Stimmung unter den Freiwilligen während der Messerattacken?

Die ersten hatten schon stattgefunden als wir unseren Dienst antreten sollten. Trotzdem hat niemand der 300 Teilnehmer aufgrund der angespannten Lage abgesagt. Das Internet auf der Basis war sehr schlecht und die Informationsbeschaffung dadurch limitiert. Natürlich war die Stimmung immer etwas bedrückt, wenn solche Meldungen kamen, aber viele von uns hat das in unserem Entschluss bestärkt, Israel in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen.

Kritiker meinen, dass der Freiwilligendienst, den Sar-El anbietet, eine PR-Strategie des Staates Israels ist um den schlechten Ruf entgegenzuwirken oder  den Konflikt verharmlosen will. Findest du das auch?

Wir sind Botschafter der Armee. Wir bekommen keine Waffenausbildung oder ähnliches. Wir sollen einfach einen Einblick bekommen und uns in diesem Rahmen unser eigenes Bild machen. Also stimme ich dem schon zu. Deren Ziel ist es aber definitiv nicht, den Krieg zu beschönigen. Unsere Madricha, also unsere Betreuerin, hat uns an einem dieser Vortragsabenden Geschichten von Soldaten erzählt, die von dem Konflikt seelisch ziemlich mitgerissen wurden.

Hat die Zeit bei der Armee sein Bild von Israel verändert?

Insgesamt war ich drei Monate in Israel und habe vorher auch etwas gearbeitet. Und ich habe wieder gemerkt, dass Israel ein vielfältiges Land ist und sich das auch im Militär widerspiegelt. Insgesamt sehe ich das Land und die Situation differenzierter und realistischer. Aber am Ende wurde mir bewusst, dass es ein Land ist, das sich zu verteidigen lohnt.

Durftest du deine Uniformen behalten?

Nein, die musste ich am Ende meines Dienstes abgeben. Ich durfte aber die Schulterklappen behalten.

*Name geändert

* * * 11 January 2016 | 1:48 pm * * *

Streckzeug

Streckmittel in Drogen, darüber hat jeder ein bisschen Halbwissen – von „Voll gefährlich, manchmal ist Rattengift im Kokain“ bis hin zu „Hihi, wenn mit Laktose gestreckt wird, müssen Intolerante vom Koks pupsen“ hat man schon alles gehört. Aber was ist wirklich drin in – zum Beispiel – Kokain? Gibt es Streckmittel-Trends? Welche sind gefährlich, welche harmlos? Dr. Björn Ahrens kann diese Fragen beantworten: Er arbeitet seit 13 Jahren als Chemiker im Bereich Toxikologie im Bundeskriminalamt, in dem Wissenschaftler unter anderem sichergestellte Betäubungsmittel analysieren.




Zusätze, die 2014 in Deutschland in sichergestelltem Kokain gefunden wurden
Pharmakologisch wirksame Zusätze:
Levamisol: Mittel gegen Fadenwürmer, zu den Nebenwirkungen gehören Atemnot und Lungenödeme.
Phenacetin: Fiebersenkendes Schmerzmittel. Wegen seiner leicht euphorisierenden Wirkung (vor allem in Verbindung mit Coffein) soll es teils auch schon zur Leistungssteigerung verwendet worden sein. In Deutschland gelten Rezepturen mit Phenacetin als bedenklich, Herstellung und Abgabe sind wegen der gesundheitsschädlichen, insbesondere nierenschädigenden Wirkung in Kombination mit anderen Schmerzmedikamenten verboten.
Lidocain: Örtliches Betäubungsmittel. Zu den Nebenwirkungen gehören Unruhe, Krampfanfälle und Herzrhythmusstörungen.
Coffein: In reiner Form ein weißes Pulver mit leicht bitterem Geschmack, vor allem bekannt als anregend wirkender Bestandteil von Getränken wie Kaffee, Mate-Tee oder Cola. Coffein gilt als weltweit am häufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz.
Hydroxyzin: Arzneimittel zur Angstlösung bei psychischen und körperlichen Erkrankungen, wird u.a. eingesetzt bei Spannungszuständen und Schlafstörungen. Zu den Nebenwirkungen gehören Unruhe, Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen und Krampfanfälle.
Diltiazem: Arzneistoff, der bei einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Schwindel verabreicht wird. Zu den Nebenwirkungen gehören Schlaflosigkeit, depressive Verstimmungen und Halluzinationen.
Procain: Lokalanästhetikum, das vor allem in der Zahnmedizin eingesetzt wird. Zu den Nebenwirkungen gehören Herzrhythmusveränderungen, bei hohen Dosen Blutdruckabfall, Krämpfe, Atem- und Herzstillstand.
Pharmakologisch unwirksame Verschnittstoffe:
Lactose: Milchzucker
Mannit: Zuckeralkohol
Glucose: Traubenzucker
 
jetzt.de: Herr Ahrens, kann man Kokain theoretisch mit jedem weißen Pulver strecken?
Ahrens: Theoretisch ja, aber es würde schnell auffallen. Wenn man Kokain beispielsweise nur mit Zucker streckt, schmeckt es plötzlich süßlich und nicht mehr bitter. Außerdem wirkt Kokain lokal betäubend. Das ist auch der Grund, warum man es, wie manchmal im Fernsehen gezeigt wird, am Zungentest erkennt: Probiert man mit dem Finger etwas Kokain, macht es die Zunge taub. Ist die Droge zu sehr gestreckt, passiert das nicht mehr.

Das mit der Zunge ist also nicht nur Wichtigtuerei?
Das funktioniert wirklich, allerdings nur bei Kokain. Im Fernsehen wird das auch bei anderen Drogen wie etwa Heroin praktiziert, ist aber tatsächlich nicht möglich.

Warum ermitteln Sie den Wirkstoff- und Streckmittelanteil in sichergestellten Drogen?
Wenn die Wirkstoffmengen illegaler Betäubungsmittel über bestimmten Grenzwerten, der sogenannten „nicht geringen Menge“, liegen, gehen die Gerichte davon aus, dass nicht nur ein Konsumdelikt, sondern ein Handel mit Betäubungsmitteln vorliegt. Grundsätzlich gilt: je weiter unten in der Handelsstruktur, je mehr Straftäter also daran verdienen wollen, desto höher ist der gestreckte Anteil. Auf Konsumentenebene finden wir selten reinen Stoff.

Gestreckt wird also, um den Gewinn zu maximieren, oder?
Genau, und wenn man die Substanzen verdünnt, soll dennoch Qualität vorgetäuscht werden.

Wie macht man das?
Zum Beispiel durch Lidcocain, ein synthetisches Kokain, das häufig zur lokalen Betäubung verwendet wird. Die betäubende Wirkung ist sicher der Hauptgrund, warum es zugesetzt wird. Man kann damit eine stärkere Dosierung vortäuschen, weil es leicht bitter schmeckt. Rauschwirksam ist es aber nicht.

Welche Arten von Streckmitteln unterscheiden Sie?
Wir unterscheiden zwischen pharmakologisch unwirksamen Verschnittstoffen und pharmakologisch wirksamen Zusätzen. Mit den unwirksamen Verschnittstoffen vergrößern die Dealer die Menge. Meist verwenden sie dafür verschiedene Zuckerarten oder Kreatin, ein Eiweißpräparat, das auch Leistungssportler gerne nehmen. Beim Kokain sind die wirksamen Zusätze in der Regel synthetische Kokaine: Lokal-Anästhetika wie eben Lidocain oder Procain. Wir finden in Kokain aber auch Schmerzmittel wie Phenacetin, selten auch Paracetamol oder Aufputschmittel wie Coffein.

Gibt es bei Streckmitteln bestimmte Trends?
Grundsätzlich sind die Zusätze stabil – was sich bewährt, wird so lange wie möglich beibehalten. Heroin wird seit mehr als 30 Jahren vor allem mit Paracetamol und Coffein gestreckt. Kokain wird schon seit bald 40 Jahren mit Lidocain gestreckt. Seit etwa fünf Jahren stellen wir in mehr als der Hälfte der Kokainzubereitungen Levamisol fest, ein Entwurmungsmittel, dem nachgesagt wird, dass es eine bessere Kokainqualität vortäuschen kann.

Weil es auch die Zunge betäubt?
Das nicht. Aber wenn man mehr davon zu sich nimmt, erhöht es den Blutdruck, wirkt also aufputschend, das erweckt den Eindruck von besonders wirksamem Kokain. Bei den nicht wirksamen Substanzen ist Zucker das gängigste Verschnittmittel, allen voran Laktose, aber auch Glucose und Dextrose.

Gibt es regionale Unterschiede bei Streckmitteln?
Nein, das bestätigen unsere Untersuchungen nicht.

Wird heute insgesamt mehr gestreckt als früher?
Nein, das wird schon immer gemacht. Zum Teil, um die Drogenmenge zu erhöhen, aber auch um die Droge überhaupt erst konsumfähig zu machen – bei der Aufnahme von ungestrecktem Heroin besteht zum Beispiel schon beim Erstkonsum die Gefahr der tödlichen Überdosierung.

Welche Streckmittel sind besonders gefährlich?
Entscheidend ist: Die schädigende Wirkung kommt von der Droge selbst.

Aber Lidocain kann zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Atemnot, Atemstillstand auslösen . . .
Bei Überdosierung, ja, aber diese Wirkungen hat das Kokain auch.

Bevor das Streckmittel gefährlich wird, wird also das Kokain gefährlich?
Genau. Der Missbrauch der eigentlichen Rauschdroge erzeugt Nebenwirkungen. Wenn behauptet wird, dass Streckmittel die Ursache für die Drogentoten sind, kann ich das nicht bestätigen. Die Ursachen liegen in den Betäubungsmitteln an sich, nur in Ausnahmefällen in den Streckmitteln.

Man hört auch immer wieder von Kokain, das mit Strychnin versetzt ist, das auch als Rattengift benutzt wird.
Mir ist nur ein Fall bekannt, in dem tatsächlich Strychnin enthalten war, allerdings in Heroin.
Wie beurteilen Sie Serien wie den Kokain-Epos „Narcos“ oder die Crystal-Meth-Serie „Breaking Bad“?
Wirkungsweisen von Drogen in Serien sind heute meistens sehr gut recherchiert. Manches ist aber auch unrealistisch.

Zum Beispiel?
Wie schnell sichergestellte Drogen analysiert werden: Der Ablauf von der Sicherstellung über die Analyse bis zur Übermittlung des Befundes ist sehr verkürzt dargestellt. Das dauert in der Realität wesentlich länger.

* * * 11 January 2016 | 12:48 pm * * *

Mädchen, wir sind doch keine Grapscher?

Die Jungsfrage: 





Was für ein mieser Start ins Jahr. Als Mann kommt man aus dem Mitschämen für die Artgenossen kaum heraus. Erst benehmen sich die einen in der Silvesternacht wie Gorillas im Böller-Nebel, dann proben ausgerechnet diejenigen aus der "Dirndl-Ausfüllen"-Ecke den #Aufschrei, die sonst unterm Jahr auf Volksfesten die Armlänge Abstand höchstens zu ihrer guten Erziehung einhalten.

Als mit Gleichberechtigung aufgewachsener, von Mutter und Schwestern erzogener, vielleicht sogar feministisch denkender, jedenfalls: als Frauen respektierender junger deutscher Mann hat man eins kapiert: Es gibt auch 2016 leider immer noch No-Go-Areas für Frauen. Wer Lust auf körperliche und seelische Unversehrtheit hat, geht in kein Bierzelt und durch keine Menschenmenge. Zwischen Volksfest und Silvesternacht bestehen kriminelle Grauzonen, in denen Männer meinen, sie dürften alles. Das ist ziemlich ekelhaft. Aber zum Glück immer ein kleines Stück weit weg. Denn: Wir sind doch anders, oder?

In unseren coolen Clubs, wo Jungs in bunten Socken verträumt zu Gitarrenmusik tanzen, wo an der Theke über Bourdieu und Craft Beer diskutiert wird, wo alle wissen, dass "Respekt" keine Rap-Combo und "Rape Culture" kein Ballerspiel ist, da wird doch nicht gegrapscht? Jedenfalls, ganz ehrlich, habe ich persönlich nur sehr, sehr selten eine Grapscherei beobachten müssen. Und wenn, sind wir doch alle sofort auf der Seite der Frau und machen dem Bösewicht aber sowas von klar, wo seine Hände zu sein haben. Von Schlimmerem ganz zu schweigen.

Und doch lugt hinter den selbstgedrehten Zigaretten ein unguter Zweifel hervor: Auch in unseren Freundeskreisen wissen zu viele Mädchen "eine Geschichte" zu erzählen, die meisten sogar mehrere. Auch für unsere Milieus gibt es traurige Statistiken. Sind wir vielleicht doch gar nicht so gut, wie wir denken? Sind wir alle ein bisschen Bierzelt? Also, Mädchen: Wir sind keine Grapscher, oder? Bei uns seid Ihr doch sicher?

>>>Die Mädchenantwort von Mercedes Lauenstein

[seitenumbruch]Ich möchte leidenschaftlich glauben, was ihr da sagt. Ich hatte noch nie große Lust auf die Rolle des „schwachen Geschlechts“ und bin es leid, im Wochentakt neue Empörungswellen zum Thema böse Männer vs. hilflose Frauen aufbranden zu sehen. Wenn mal wieder irgendwo von Aufschrei und Feminismus die Rede ist, verdrehe ich die Augen, murmele „alles hysterisch-pauschalisiertes Soziologenblabla“ in mich hinein und bleibe ganz bequem bei meiner Sicht der Dinge: cool ist, wer cool ist. Wer ewig alles seinem Geschlecht in die Schuhe schiebt, ist eine Heulsuse und muss lernen, sich zu wehren.





Ich weiß sehr wohl, dass das höchstens die Dreiviertelwahrheit ist. Ich finde es zwar schwierig, in unserem Milieu von „Grapschen“ und „Nötigung“ zu sprechen. Aber ich finde es auch schwierig, euch einfach so Recht zu geben, wenn ihr sagt: Wir? Wir doch nicht! Oder: Alles nur Charaktersache, hat mit dem Geschlecht nix zu tun! Das mit den Übergriffen, das spielt sich zwischen euch und uns alles etwas subtiler ab, weniger bedrohlich, koketter. Und da gibt es durchaus das Muster „Mann“ und das Muster „Frau“. Leider.  

Aber von Anfang an: Erfahrungen aus meinem eigenen Leben und aus vielen Gesprächen mit Freundinnen bestätigen, dass Männer grundsätzlich etwas schief gewickelt sind, wenn es ums Flirten geht. Sie glauben gern, das „Nein“ einer Frau sei nur die erste Aufgabe im großen Liebes-Spiel, dessen Anwärter sich tapfer das finale „Ja“ zu erkämpfen trachtet. Das führt auf Volksfest-Ebene dann zu diesem platten „Lach doch mal“-Ding, aus der nassforschen Überzeugung heraus, eine Frau umwerben zu müssen, erobern, herauszufordern, umzustimmen. Anders gesagt: Ihr „Nein“ nicht für voll zu nehmen. Ich glaube, dass viele Typen denken, Frauen würden sich aus Koketterie zieren. Ein freundlich signalisiertes, augenzwinkerndes „Nein danke, kein Interesse, aber vielen Dank für das Kompliment“ scheint vielen Männern als: „Na, da musst du dich schon bisschen mehr ins Zeug legen“.  

Wie oft schon habe ich geglaubt, mich verständlich gemacht zu haben, und die Baggerei hörte trotzdem nicht auf? Wie oft habe ich mich selbst schon denken hören: „Alter, warum glaubst du, dass ich das, was ich sage, nicht so meine?“ Tausend Mal! Allerdings: Was genau habe ich denn gesagt? Hab ich wirklich „Nein!“ gesagt? Konnte man meine Gebärden wirklich verstehen, oder konnte nur ich sie verstehen, weil ich halt aus meinem Hirn rausschaue und meinen Subtext mithöre? Ich glaube, dass viele Frauen, und da nehme ich mich nicht aus, oft aus Verlegenheit, Höflichkeit und Gefallsucht eine Spur zu fröhlich, lustig und charmant auf Anmachen reagieren. Und eben doch nicht genau klar machen, wann das Spiel vorbei ist. Die eben nur glauben, ein „Nein!“ signalisiert, in Wahrheit aber ein „Vielleicht...?“ von sich gegeben haben. Das souveräne Mittelmaß zwischen Lässigkeit und Hysterie auszuloten fällt uns verdammt schwer. Erst recht im Suff.  

Dieses Zusammenspiel aus Männermut und Frauenkoketterie hat in meinem Leben schon zu den denkwürdigsten Situationen geführt. Wie gesagt: „Grapschen“ oder „Nötigung“ wären mir für dieses Verhalten viel zu aggressive Vokabeln, aber es geht in die Richtung: Hände, im Gespräch ungefragt abgelegt auf Schultern, Beinen oder Haarschopf. Kesse Kniffe in Nase und Wange. Zartes über die Wange Streicheln oder unermüdliches Auf-die-Tanzfläche-Gezerre. Und natürlich die Auftritte jener Lustmolche, die um vier Uhr morgens in mein Taxi nach Hause einstiegen um mir, in den extremen Fällen, bis in den Hausflur zu folgen und um Einlass in meine Wohnung zu betteln, „nur noch auf ein Glas Wasser“.  

Zum Glück ist mir noch nie ein Typ untergekommen, der ein finales Nein nicht akzeptiert hat. Mit den meisten Kerlen war der Weg dahin nur einfach sehr, sehr nervtötend. Einen total im Liebesspiel fiebernden Typen zu erden ist nämlich ungefähr so anstrengend, wie ein überdrehtes Kind oder einen verzogenen Welpen zur Vernunft bringen zu wollen. Oft empfand ich eher Mitleid mit den Jungs, die bei mir nicht landen konnten, weil ihr vermeintlich heldenhaftes Spiel aus meiner Warte so erbärmlich aussah.  

Was ist die Moral von der Geschicht? Ihr müsst vorsichtiger werden, hellhöriger, anständiger. Aber wir müssen vor allem deutlicher werden. Klartext reden, und zwar glaubwürdig. Bisschen mehr Eier in der Hose haben. Bisschen weniger Angst davor, gleich als hysterisch und empört zu gelten. Cool nein sagen. Gut flirten. Respektvoll fragen, welcher Schritt als nächster denn nun dem Gegenüber genehm wäre. Ehrlich antworten. Schreibt euch einfach mal auf: vorsichtiger nachfragen. Klartext fordern. Klartext respektieren. Wir schreiben uns auf: deutlicher werden. Abgebrühter werden.  

Es lohnt sich. Die aufregendste, interessanteste, allerbeste, bis heute unübertroffene Nacht überhaupt hatte ich mit einem Typen, der mich gefragt hat, ob er mich anfassen darf, bevor er es getan hat. Ich habe ihn nie wieder gehen lassen.    





* * * 8 January 2016 | 4:41 pm * * *

Metal im System

Hurra für die Wissenschaft: Die Periodentabelle wurde um vier Neumetalle ergänzt. Aber wie sollen die frischgebackenen Elemente Nr. 113, 115, 117 und 118 nur heißen? Diese Frage lässt nicht nur Chemiker grübeln. Denn bei der Namensgebung der Schwermetalle ("heavy metals") haben die Anhänger der gleichnamigen Musikrichtung automatisch Mitspracherecht – finden sie selbst zumindest.

Zehntausende Heavy-Metal-Fans unterzeichneten deshalb bereits eine Petition, die fordert: Eines der Metalle muss unbedingt „Lemmium“ heißen! Benannt nach der kürzlich verstorbenen Metal-Legende und Naturgewalt Lemmy Kilmister von Motörhead!

[plugin imagelink link="https://d22r54gnmuhwmk.cloudfront.net/photos/5/xb/cw/QJXbCWjbLNqDnGk-800x450-noPad.jpg?1451934086" imagesrc="https://d22r54gnmuhwmk.cloudfront.net/photos/5/xb/cw/QJXbCWjbLNqDnGk-800x450-noPad.jpg?1451934086"] Vielleicht bald auch als Metall berühmt: Lemmy Kilmister.

35.000 Metalfans haven die Petition schon unterschrieben – und auch auf Twitter und Co. gibt es Unterstützung. Bleibt zu hoffen, dass sich „Lemmium“ durchsetzt. Es wäre das lässigste Element im ganzen Periodensystem – und würde den Musiker ein für alle Mal unsterblich machen. Wie hätte Lemmy wohl selbst auf diese Nachricht reagiert? Wahrscheinlich exotherm.

Sina Pousset

* * * 8 January 2016 | 4:38 pm * * *

Schrille Nacht

Manche Menschen schlafen nachts. Andere reden dabei. Aidan ist so ein Fall – und glücklicherweise mit einer sehr humorvollen Frau zusammen, die sein nächtliches Gemurmel im Internet dokumentiert. Was Aidan nachts so von sich gibt, schickt sie ihm direkt aus dem Bett per SMS. Zum Beispiel: „Klar würdest du gerne mit Napoleon abhängen.“ Klar.





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Aidan ist nicht allein: Unter den Posts tauschen sich zahlreiche User über ihre Erlebnisse aus.





So eine nette Frau wie er braucht aber nicht jeder: mittlerweile gibt es zahlreiche Apps, die das nächtliche Gequassel automatisch mitschneiden.

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Und woher kommt der Unsinn, den wir da von uns geben? Die Satzfetzen stammen aus Träumen, die beim Übergang verschiedener Schlafphasen an die Oberfläche gelangen. Wie Aidans Vermutung, seine Frau würde seit Monaten seine „Medallien verstecken“ zu deuten ist, weiß vermutlich nur die Angetraute selbst. Die aber schweigt. Auch nachts.

Sina Pousset


* * * 8 January 2016 | 2:17 pm * * *

Meine Straße: Adalbertstraße

Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir hier regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen – die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute:



 

Michi, Texter


Auf den ersten Blick ist die Adalbertstraße nur die hässliche Schwester von Türken- und Amalienstraße – die Durchgangsstraße der Studenten von der Uni zur U-Bahn. Hier auf den Gehwegen zu gehen, kann nerven. Zumindest zwischen Türken- und Ludwigstraße, weil man immer einem Studentenpulk in die Hacken läuft. Aber man darf diese Straße nicht unterschätzen.
 
Vorn, an der Ecke Ludwigstraße, ist der legendäre Didi mit seinem Obststand, über den gibt es ja sogar einen Film. Da kann man sich auf dem Weg in den Englischen Garten immer schönes Obst kaufen. An der Ecke Amalienstraße ist ein Tapas-Laden, vor dem im Sommer immer sehr viele Menschen sitzen und essen. Das Essen sieht gut aus, aber es wird wohl nie dazu kommen, dass ich es mal probiere, um mir ein echtes Urteil zu bilden. Denn einmal wurde ich auf dem Gehweg direkt vor dem Restaurant blitzkrank und habe ein paar Gästen und dem Kellner direkt vor die Füße gekotzt. Jetzt kann ich mich da nie wieder blicken lassen.
 
Regelmäßig essen gehe ich bei Akuo, einem sehr ehrlichen und nicht zu teuren taiwanesischen Imbiss, der von einem Ehepaar aus Taiwan geführt wird. Das ist der erste Laden, der sich an dieser Stelle hält, nachdem dort zahlreiche andere Geschäftsideen nicht funktioniert haben. Am besten bestellt man die Jaozi, das sind gefüllte Teigtaschen, oder das Schweinefleisch mit Paprika.
 
Super ist auch das Grappolo, die machen hervorragende Pasta. Und direkt unter meinem Haus ist das Mario, einer der ältesten Italiener in ganz München, mit einer filmreifen Achtziger-Atmosphäre. Allerdings muss ich gestehen, dass ich meine Pizza trotzdem lieber bei Lo Studente in der Schellingstraße hole und dann versuche, sie ganz diskret durch unseren Hauseingang zu schmuggeln, ohne, dass mich jemand aus dem Mario dabei erwischt und mir dann böse ist. Denn eigentlich müsste ich den Mario ja unterstützen. Ich will nämlich, dass der bleibt. Es gibt nichts Beruhigenderes, als über einem italienischen Restaurant zu wohnen. Wenn ich die Fenster öffne und unten Teller klirren höre, und dann jemand „Mamma mia“ ruft oder bis spät abends italienische Lieder trällert, das hat schon etwas sehr Tröstliches.
 
An der Ecke Türkenstraße gibt es ein neues Café, Neues Wieners heißt das, und da gibt’s Mokka im Glas, eine schöne Melange und solche Sachen. Aus irgendeinem Grund kann man da allerdings nicht reingehen, ohne dass sie einem erzählen, dass sie Österreicher sind. Dafür kann man aber toll draußen sitzen, die haben sogar Wärmelampen.
 
Im Zest an der Türkenstraße sieht man oft Filmleute aus den Arri-Filmstudios. Ein paar Mal habe ich da schon Helge Schneider sitzen sehen oder Matthias Schweighöfer. Wen man natürlich auch immer sieht: Klaus Lemke. Der geht hier am Tag so fünf Mal vorbei, meistens mit seiner Sporttasche. Und wenn mich nicht alles täuscht, wohnt auch Mario Adorf in der Nähe. Zumindest sehe ich manchmal einen Mann mit Jutebeutel über die Straße zum Tengelmann schlurfen, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht.
 
Wenn man über die Adalbert erzählt, muss man natürlich auch A Kind Of Guise empfehlen, ein Münchner Klamotten-Label, das die Räume der legendären alten Basis-Buchhandlung übernommen hat. Die machen wahnsinnig schicke Klamotten, aber leider haben die natürlich auch ihren Preis. Trotzdem ist es toll, dass die da sind. Die verleihen der Straße einen etwas moderneren Geist und manchmal veranstalten sie kleine Straßenfeste oder ein öffentliches Fußballschauen.
 
Schräg gegenüber von der Max-Emmanuel Brauerei, deren im Hinterhof versteckter Biergarten natürlich auch ein Klassiker dieser Gegend ist, gibt es an der Ecke zur Nordendstraße das Benko. Das sieht sehr nett aus und serviert ab 18 Uhr täglich eine Suppe, Vorspeisen und ein paar Gerichte.
 
Und im Sommer fühlt man sich in der Adalbert wie in Philadelphia. Das haben ja alle Straßen der Maxvorstadt, die reißbrettgerade von Osten nach Westen angelegt sind, gemein: Die Sonne wandert genau durch die Straße. Sie geht morgens auf der einen Seite auf, abends auf der anderen unter und flutet sie mit Licht. Wenn dazu dann noch Sommermenschen auf ihren Longboards oder Surfer mit Brett unterm Arm auf ihrem Rad hier durchfahren, kommt einem das schon sehr amerikanisch vor.

* * * 7 January 2016 | 5:12 pm * * *

Mischt euch ein!




In der Luft hängt Bierdunst, die Scheiben der U-Bahn sind beschlagen, die Menschenmasse wiegt bei jedem Anfahren der U-Bahn wie eine Welle vor und zurück. Ich stecke mitten in einem Fanblock von Bayern-Fans auf dem Weg zurück nach Hause. Das Spiel lief scheinbar gut, die Stimmung ist ausgelassen, manche singen. Mir gegenüber steht ein kleiner dicker Mann mit randloser Brille und Glatze. Ich wundere mich noch über die seltsamen Punkte darauf und kann kurz nicht einordnen, woher die Hand kommt, die irgendwie unter meiner Jacke ist. Ich brauche einen kurzen Moment, bis ich verstehe, was hier gerade passiert. Und dass das nicht okay ist. Denn der erste Gedanke ist sofort: „Bestimmt ein Versehen, ist ja ziemlich voll hier.“ 

Dann kommt die Wut und ich werde laut. Was genau ich geschrien habe, weiß ich nicht. Irgendwas mit „Schwein“ und „eklig“. Woran ich mich aber noch sehr gut erinnere, ist die plötzliche Stille in der U-Bahn. Und dass diese eine Minute bis zur nächsten Station, in der ich in einem lächerlichen Versuch dem Mann mit der flachen Hand auf die Glatze haue (leider überhaupt nicht besonders stark), mir vorkam wie eine Ewigkeit. Als die Türen sich öffnen, flüchtet er in das Gedränge auf dem Bahnsteig. In meinem Waggon herrscht immer noch betretenes Schweigen, aus den anderen dringt Gegröle. Ein junger Mann kommt zu mir und fragt mich, ob das gerade wirklich passiert sei. „Ja“, sage ich sehr garstig. Die anderen beginnen wieder, sich zu unterhalten.

Was mich im Nachhinein so wütend macht, ist nicht nur die Übergriffigkeit des Mannes. Es ist auch diese ganze U-Bahn, die kollektiv weggeschaut hat, obwohl ich laut und deutlich artikuliert habe, was da gerade passiert. An diese Wut erinnere ich mich gerade, wenn in der Debatte über die Übergriffe in Köln die Kommentarleisten überquellen vor Spekulationen und Anschuldigungen. Es gibt genug Berichte von Betroffenen und genug Fragen nach den Tätern da draußen. Wovon die ganze Fragerei aber ablenkt, ist das Thema sexualisierte Gewalt als solches. Als Teil unserer Gesellschaft. Als Problem derer, die davon betroffen sind. Aber auch als Problem derer, die dabei wegsehen.

Laut werden, handgreiflich werden, Pfefferspray kaufen


Es wird so getan, als sei der Kölner Hauptbahnhof unter einer großen, gewaltfreien Käseglocke gelegen, bevor eine Bedrohung von außen ihn zu einem Raum der Gewalt und Angst gemacht hat. Als Großstadtkind habe ich viel Zeit an genau solchen Orten verbracht. Dabei war der öffentliche Raum für mich als Mädchen und Frau nie ein sicherer: Der Typ, der nachts im Waggon masturbiert, wenn niemand sonst mehr in der Bahn sitzt. Der Fahrkartenkontrolleur, der anzügliche Bemerkungen über mein Ausweisbild macht. Der Mann, der seine Hand beim Aussteigen viel zu nah an meinem Hintern vorbeiquetscht. So traurig das auch klingt, aber ich habe mich daran gewöhnt, dass in solchen Situationen niemand aufsteht. Und ich habe mir meine eigenen Strategien dafür zugelegt: laut werden, handgreiflich werden, Pfefferspray kaufen.    

Das mit dem Pfefferspray war meine Idee, ansonsten raten Experten Außenstehenden Ähnliches. Zuerst einmal: Einmischen. Das gibt den Betroffenen die Möglichkeit, sich aus der Situation zu begeben. Wer dafür zu schüchtern ist, sucht sich Verstärkung. Selten passieren diese Übergriffe „im Rudel“ wie es wohl in Köln geschehen ist. Wie man sich einmischt, kommt ganz auf die Situation an. Natürlich sollte man sich nicht ins offene Messer stürzen. Damals in der U-Bahn wäre es aber ein Leichtes gewesen, genug Zeugen zu finden und den Mann anzuzeigen. Oder einfach den Mund aufzumachen, um dem Opfer zu zeigen, dass es nicht allein ist. Das kostet Überwindung, aber Einmischen kann man lernen. Genauso, wie man schon als Mädchen lernt, sich zur Wehr zu setzen. 

>>> Wieso schreitet so selten jemand ein?
[seitenumbruch]
Wenn die Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker in einer Pressekonferenz Frauen aus welchen Zusammenhängen heraus auch immer rät, „eine Armlänge Abstand“ zu halten, löst das auf Twitter empörte bis belustigte Reaktionen aus. Wenn ich an meine U-Bahn Erfahrung denke, wirkt dieser Vorschlag auch mehr als absurd. Aber er zeigt trotzdem eine Tendenz, die immer wieder auftaucht, wenn es um sexualisierte Gewalt geht: Victim blaming und Pauschalurteile. Die, mit ihren zu kurzen Miniröcken. Die, mit ihren sexistischen Frauenbildern. Dabei ist sexualisierte Gewalt ein strukturelles Problem. Dazu gehören Opfer, Täter, aber eben auch die, die einfach nur dabei stehen. 

Ich muss nicht besonders tief in meinem Gedächtnis graben, um mindestens zehn solcher Situationen aus meinem Umfeld zusammen zu bekommen. Bei den wenigsten ist jemand aufgestanden und hat geholfen. Da könnte man sich doch mal an die eigene Nase fassen und fragen: Warum lassen wir zu, dass auf offener Straße überhaupt noch solche Dinge geschehen können? Fraglich, ob all jene, die Köln jetzt als Sprungbrett für Flüchtlingshetze und überschwängliche Solidarität im Internet nutzen, damals in der U-Bahn genauso laut geworden wären. 

Am Ende sollte es keine Rolle spielen, wer hier wen belästigt. Angegrabscht zu werden ist immer scheiße. Aber man kann sich sehr gut verstecken hinter diesen Fragen nach den Tätern. Als wäre das Thema sexualisierte Gewalt gelöst, sobald man sie gefunden hätte. Dann müsste man nicht nach den Erfahrungen so vieler Frauen fragen, die sowas täglich erleben. Dann könnte man einfach aus der U-Bahn steigen und so tun, als hätte man nichts gesehen.

* * * 7 January 2016 | 2:26 pm * * *

Was hast du zuletzt verbockt?





Cyril, 24


Ich habe mal als Nebenjob für eine Firma einen Transporter gefahren. Leider habe ich unterschätzt, wie groß so ein Auto ist und nach ziemlich kurzer Zeit war einer der Seitenspiegel abgefahren. Eigentlich war mein Plan: verschweigen und das Auto so abgeben, als sei gar nichts weiter passiert. Das ging nur leider nicht so gut, denn ich musste auf die Autobahn. Und so ein Transporter hat ja keinen normalen Rückspiegel. Ich konnte also überhaupt nichts mehr sehen. Deshalb musste ich reumütig meinen Chef anrufen, um ihm das Problem zu beichten.

>>>"Kurze Zeit später klingelte die Polizei Sturm und kam mit vorgehaltener Waffe in die Wohnung meiner Freunde."<<<
[seitenumbruch]




Sebastian, 22


Ich war bei Freunden zu Hause und wir haben uns bei Youtube Telefonstreiche angehört. Da gab es so eine vorgefertigte Aufzeichnung, die man am Telefon abspielen konnte: Ein Typ, der ziemlich aufdringlich behauptet, dass ihm ein Hans Geld schulde und er jetzt zu ihm kommen und es sich holen wolle. Wir kannten tatsächlich einen Hans, also haben wir bei dessen Vater angerufen und das Ding abgespielt. Was dann passierte, hätten wir wirklich nicht gedacht: Kurze Zeit später klingelte die Polizei Sturm und kam mit vorgehaltener Waffe in die Wohnung meiner Freunde. Sie hatten die Nummer zurückverfolgt und gingen von einer echten Erpressung aus.
 
>>>"In Folge dieses Kennenlernens haben sich dann nach diesem Abend beide Männer von ihren Freundinnen getrennt."<<<
[seitenumbruch]


Heike, 35


Ich habe auf einer Party einem Freund eine Bekannte vorgestellt. Er war zu dieser Zeit mit einer anderen Freundin von mir zusammen. Später habe ich eine weitere Bekannte einem anderen Freund vorgestellt, der auch eine Freundin hatte. In Folge dieses Kennenlernens haben sich dann nach diesem Abend beide Männer von ihren Freundinnen getrennt. Mein freundliches Bekanntmachen hat also indirekt zwei Beziehungen zerstört und für sehr viel Schmerz gesorgt. Das tut mir heute noch leid, obwohl ich natürlich überhaupt nichts dafür kann.

>>>"Uhr voller Wasser, Glas gesprungen, Bettwäsche verfärbt, Freund stinksauer."<<<
[seitenumbruch]



Silja, 24


Mein Freund hatte sich gerade eine neue Uhr gekauft, auf die er sehr stolz war. Mit einem ziemlich schönen Lederarmband. Als ich neulich das Bett neu beziehen und die Bettwäsche waschen wollte, habe ich leider übersehen, dass diese Uhr unter der Bettdecke lag und habe sie heiß mitgewaschen. Was dann passiert ist, kann sich jeder denken: Uhr voller Wasser, Glas gesprungen, Bettwäsche verfärbt, Freund stinksauer.

>>>"Und so lagen wir beide Sekunden später gemeinsam im Dreck. Sie hat sich sogar den Kopf an einem Stein aufgeschlagen.<<<
[seitenumbruch] 



André, 23


Ich war vor einiger Zeit mit meiner Freundin auf einem Volksfest, als es plötzlich extrem zu regnen anfing. Als wir das Bierzelt verlassen wollten, war da eine riesige Pfütze. Natürlich wollte ich sofort den Kavalier spielen und habe meine Freundin spontan auf den Rücken genommen, um sie trockenen Fußes über die Pfütze zu bringen. Leider habe ich den nassen Boden etwas unterschätzt, und so lagen wir beide Sekunden später gemeinsam im Dreck. Sie hat sich sogar den Kopf an einem Stein aufgeschlagen.

* * * 7 January 2016 | 12:29 pm * * *

Wenig westerwellig

Gespräche über Konstantin Kuhle laufen meistens so ab: „Eigentlich würde ich ja nie FDP wählen. Aber . . .“ Aber Konstantin sei so nah an den Problemen echter Menschen. Aber Konstantin sei trotz Jurastudium gar kein Schnösel im Polohemd, sondern jemand, mit dem man gerne mal ein Bier trinken gehen würde. Aber Konstantin sei eben ein lockerer Typ.

Spätestens beim letzten Satz kommen schlechte Erinnerungen hoch. „Lockerer Typ“ in Verbindung mit „FDP“ – das wollte Guido Westerwelle auch sein. Und am Ende trug er Schuhe mit einer 18 druntergeklebt und fuhr mit dem Guidomobil durch die Republik. Und überhaupt: die FDP? Ist die nicht tot?

Die FDP selbst sagt, und das muss sie natürlich: Nein, wir sind nicht tot. Wir erfinden uns gerade neu. Und dass wir 2013 aus dem Bundestag geflogen sind, war eine super Chance. Der 26-jährige angehende Jurist Konstantin Kuhle, seit vergangenem Frühjahr Vorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis), soll dabei, neben dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner, das Gesicht dieser Neuerfindung sein.



Liberal, aber anders: Konstantin Kuhle

An einem kalten Samstag im November, im ICE Richtung Hamburg, sieht dieses Gesicht müde aus. Schatten unter den Augen und Dreitagebart. Konstantin reist gerade von einem Vormittags-Termin in Marburg, bei dem er, obwohl aus der Kirche ausgetreten, als Redner über Religionspolitik eingeladen war, zu einem nächsten nach Stade. Gestern war er in Rheda-Wiedenbrück, morgen ist er in Berlin. Jetzt entschuldigt er sich kurz und verschwindet noch in Sakko und Hemd und mit seinem schmuddeligen Eastpak-Rucksack in der Toilette. Heraus kommt er im Hoodie. „Bucerius Law School“ steht da drauf, eine private Jura-Hochschule in Hamburg. Ansonsten würde Konstantin locker als Politikstudent durchgehen, der in irgendeinem AStA sitzt.

Konstantin halst sich fast mehr auf, als er schaffen kann – aber er  findet seinen Job halt „geil“


Gerade ärgert sich über sich selbst. Eigentlich hatte er einen Mietwagen gebucht – allerdings auf den falschen Tag. Nun muss er Bahn fahren, das mach alles umständlicher, und andauernd vibriert sein Handy, weil irgendjemand etwas will. Man könnte jetzt sagen, das ist Konstantins Job. Aber eigentlich ist er hauptberuflich juristischer Referendar, für den Job bei den JuLis gibt es gerade mal eine Aufwandsentschädigung. Freund und Freizeit muss er zwischendurch unterbringen.

Als Konstantin endlich alle Nachrichten abgearbeitet hat, legt er das Handy beiseite. Die Zugfahrt nach Stade dauert da noch gute fünf Stunden. Fünf Stunden Zeit also, um Konstantin Kuhle kennenzulernen und sich im Gespräch immer wieder zu fragen: „Ist der wirklich bei der FDP?“ Denn er sieht nicht nur nicht so aus. Er klingt auch nicht so.

Konstantin hat viele Themen im Kopf, über die er reden möchte: Flüchtlingspolitik („AfD-Style steht da nicht zur Debatte“), Angela Merkel („Ich habe Respekt davor, dass sie Haltung zeigt“), Politikverdrossenheit („Die Leute machen es sich zu einfach, wenn sie sagen, die Jugend würde die Politik nicht interessieren“) und sein Herzensthema, die Bildungspolitik („Warum sind wir da immer noch so Mittelmaß? Und so sozial ungerecht?“). Außerdem: Digitalisierung, eines der Themen, mit denen die FDP neue Wähler gewinnen will.

Nebenbei erfährt man etwas über sein bisheriges Leben. In der Schule hat er ein Auslandsjahr in Ecuador absolviert, eine kleine Ethno-Geldbörse zeugt von dieser Zeit. Beim Zivildienst hat er Altkleidercontainer ausgeleert. Sein Vater ist Kapitän bei der Handelsmarine, die Mutter Lehrerin – und bis vor Kurzem haben beide nie die FDP gewählt. Für die Law School musste er einen Studienkredit aufnehmen. Er mag Theaterspielen und verwendet ziemlich häufig das Wort „geil“. Er scheint schnell für Sachen zu brennen, vielleicht sogar für mehr, als er schaffen kann. „Aber ich finde meinen Job geil“, sagt Konstantin und man merkt, wie er jetzt aufdreht, weil er es schon wieder gesagt hat.

Ist die ganze Sache mit der neuen FDP wirklich neu? Oder ist das alles nur cleveres Rebranding?


Wo ist die FDP-Kühle? Das altbekannte „Leistung muss sich lohnen?“ Nur einmal kurzes Aufhorchen beim Thema Flüchtlinge: „Es muss einen Unterschied machen, ob man sich anstrengt oder nicht.“ Aha! Direkt schiebt er hinterher: „Das klang jetzt sehr westerwellig, nicht wahr?“ und grinst breit über seinen Witz. Er erklärt, dass jeder, der in Deutschland arbeiten und leben wolle, auch eine Chance dazu bekommen müsse und nicht direkt abgeschoben werden dürfe. Und er wünscht sich legale Fluchtmöglichkeiten und humanitäre Visa für Flüchtlinge.

Kurz vor Stade zeigt Konstantin stolz eine Powerpoint-Präsentation auf dem Handy: das neue Logo der JuLis, extra designt von einer Agentur. Da ist schon noch Gelb drin, aber auch viel Magenta. „Ich find’s richtig geil“, sagt Konstantin und schenkt einem direkt noch eine seiner neuen Visitenkarten. Er wischt immer wieder in der Präsentation vor und zurück, um noch die türkise Variante zu zeigen. Die Frage drängt sich auf: Ist diese ganze Sache mit der neuen FDP wirklich neu? Oder ist das alles cleveres Rebranding und der Inhalt bleibt der gleiche?

Zumindest Konstantin glaubt man, dass er es ernst meint. Dass er wirklich von einer neuen FDP träumt. Vielleicht hat das auch mit seinem Weg in die Partei zu tun – der war nämlich Zufall. Aufgewachsen im niedersächsischen Nirgendwo wurde er als 13-Jähriger in der Einbecker Fußgänzerzone von den Jungen Liberalen angesprochen: „Die haben mir angeboten, mich nach den Sitzungen nach Hause zu bringen, da fuhr ja kein Bus mehr.“ Er ging hin. Es gefiel ihm dort. Er fälschte sein Geburtsdatum, trat so noch vor seinem 14. Geburtstag den JuLis bei und wurde dadurch, anders als bei anderen Jugendorganisationen, automatisch auch Partei-Mitglied. Mit 17 war er bereits stellvertretender Landesvorsitzender der JuLis Niedersachsen, mit 20 Beisitzer im Bundesverband. Eine sehr gerade Politikerkarriere.

Bis die FDP 2013 aus dem Bundestag flog. Und auf einmal klar wurde: Da macht in den kommenden vier Jahren erst mal keiner mehr Karriere. Da macht man außerparlamentarische Opposition, sammelt die Scherben auf. Für die meisten Machtmenschen der Moment, einen gut bezahlten Job in der Privatwirtschaft anzunehmen. Dirk Niebel macht jetzt Rüstung, Philipp Rösler irgendwas beim Weltwirtschaftsforum.

>>>> „Während des Wahlkampfs war ich wütend auf die FDP. Als sie dann rausflog, war ich nur noch traurig. Aber ich hab darin auch eine Chance gesehen. Und da hatte ich Bock drauf!“
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Konstantin war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt und stand kurz vorm ersten juristischen Staatsexamen. Er hätte woanders Karriere machen können. Stattdessen wurde er nach dem Uniabschluss Bundesvorsitzender der JuLis. „Während des Wahlkampfs war ich wütend auf die FDP. Als sie dann rausflog, war ich nur noch traurig. Aber ich hab darin auch eine Chance gesehen. Und da hatte ich Bock drauf!“ In der Nacht nach der Wahlniederlage gab es mehr als 100 neue Mitgliedschaftsanträge bei den JuLis, die Mitgliederzahlen sind mit etwa 10 000 seitdem konstant – was aus Konstantins Sicht gut ist, da jedes Jahr automatisch viele austreten, wenn sie 35 werden.

In Stade fragt Konstantin am Bahnhof nach dem Weg zum Hotel – sein Internet ist gedrosselt, aufstocken wäre zu teuer. Das mit dem Hotel ist auch eine Ausnahme. Denn seit die FDP-Gelder knapper geworden sind, heißt es auch bei den JuLis: sparen! Wenn möglich soll man bei Freunden auf der Couch schlafen.

Ein JuLi beim Christopher Street Day? Ein älterer Herr sagt: „Das hätte es früher nicht gegeben.“


Im Veranstaltungssaal warten bereits etwa 50 junge Leute. Viele Karohemden und Ringelpullis, die wenigen älteren Gäste tragen Hemd und Sakko. „Mist, wir haben Philipp verpasst“, sagt Konstantin. Er meint Philipp Rösler, auch Niedersachse und Ex-JuLi. Dann muss er selbst auf die Bühne, Thema ist „35 Jahre JuLis Niedersachsen“. Der Moderator stellt die Diskutanten dem Publikum vor, nur bei Konstantin sagt er: „Der letzte Gast ist euch ja allen bekannt: Konstantin, schön, dass du da bist.“ Das Publikum jubelt. Der Moderator fragt ihn halbernst, ob die JuLis eine neue Mutterpartei bräuchten. Konstantin trinkt einen Schluck Bier aus der Flasche und sagt: „Dass wir die FDP weiterhin unterstützen, auch beim Wahlkampf, haben wir doch bereits direkt nach der Wahlniederlage entschieden. Das verbietet uns nicht, selbst zu denken.“ Wieder Applaus. Als Sitznachbar Patrick Döring, ehemaliger FDP-Generalsekretär und Vorstandsmitglied eines Konzerns für Haustierversicherungen, nach der Zukunft der FDP gefragt wird, bepöbelt er erst einmal die Medien. Höflicher Applaus. So einer wie Döring funktioniert hier nicht mehr so richtig. Nach der Diskussion läuft „Freiheit“ von Westernhagen, an der Wand flimmern alte Fotos entlang. Viel Wahlkampf, viel Jägermeister. Auf einem Foto: Konstantin mit den JuLis beim Christopher Street Day. Ein älterer Herr in der letzten Reihe sagt zum Sitznachbarn: „Das hätte es früher nicht gegeben.“

Am nächsten Morgen steht Konstantin trotz Feierei bis drei Uhr Früh pünktlich um Viertel vor acht am Bahnhof. „Morgens geht bei mir besser als nachmittags“, sagt er und switcht im Zug wieder vom Hoodie zum Jackett. Ob er auch auf den Döring switchen und ein bisschen rumpöbeln könne, wenn das Publikum es erwarte? „Wenn Populismus bedeutet, politische Überzeugungen auch mal auf einfache Worte runterzubrechen, dann mache ich das natürlich. Aber es müssen halt meine Überzeugungen sein.“

Er mag den Straßenwahlkampf: Da kann man die Leute packen, wenn sie nicht damit rechnen


Das ist natürlich eine Politikerantwort. Aber Konstantin hat wirklich Potenzial, zu überzeugen. Er ist ein guter Rhetoriker. Gestern, in Marburg, sagte eine Organisatorin: „Es war eine Freude, dir zuzuhören und etwas von der angekündigten Wende bei der FDP spüren zu können.“ Und er ist kampflustig, jemand, der nach eigener Aussage gerne dorthin geht, wo fast alle gegen ihn sind: „Nur dann kann man die Leute mit guten Argumenten richtig überraschen.“ Deshalb möge er auch so sehr den Straßenwahlkampf. Weil man da die Menschen packen kann, wenn sie am wenigsten damit rechnen. Und er scheut auch die Provokation nicht. Das zeigte eine Kampagne kurz nach der Wahlschlappe 2013. Da posierten er und seine Kollegen im Stil der Kommune 1 mit nackten Hintern an einer Wand. Selbstironischer Slogan: „Wer hätte gedacht, dass wir Liberalen mal die Werte der 68er verteidigen müssen?“ Das Bild wurde von Facebook gelöscht, die JuLis forderten ihr Recht auf Nacktheit – und blieben im Gespräch. Auch, dass die FDP im vergangenen Mai auf dem Bundesparteitag mit 62 Prozent für die Legalisierung von Cannabis gestimmt hat, geht aufs Konto der JuLis.

Als Konstantin gegen elf Uhr in der Bundesgeschäftsstelle der FDP in der Berliner Reinhardtstraße ankommt, haben sich dort schon alle Menschen versammelt, die jetzt noch in der FDP wichtig sind. „Freiheitskonvent“ heißt die Veranstaltung, Christian Lindner wird über die Digitalisierung reden. Das ist ziemlich clever, denn seit dem Untergang der Piratenpartei besetzt niemand mehr dieses Thema. Tatsächlich sitzen in der ersten Reihe zwei Ex-Piraten, die gerade öffentlichkeitswirksam die Partei gewechselt haben.

Konstantin kennt viele Leute hier, dauernd klopft ihm jemand auf die Schulter und will smalltalken. Das ist gut für ihn. Denn wenn es mit der FDP und dem Bundestag 2017 klappen soll, wenn alle Rheda-Wiedenbrücks, Stades und Marburgs abgearbeitet sind, dann will Konstantin doch sicher hier hin: nach Berlin. Oder? „Erst mal will ich erreichen, dass junge Menschen wieder stolz sein können, wenn sie auf dem Campus oder in der Schule sagen ‚Ich bin bei den JuLis‘.“ Das ist natürlich keine Antwort auf die Frage. Er kann ja nicht für immer der Vorsitzende einer Jugendorganisation bleiben. Aber auch bei genauerem Nachbohren: So richtig will Konstantin mit der Antwort nicht rausrücken.

Im Jahr 2024 müsste er bei den JuLis altersbedingt austreten. Wahlen gäbe es bis dahin genügend. Und vielleicht ist Konstantin da ja am Ende doch ein typischer FDPler: So viel arbeitet er sicher nur, wenn es sich am Ende auch lohnt.

* * * 2 January 2016 | 8:59 am * * *

Die Ex-Freundschaft




Maria ist noch im Schlafanzug und fängt gerade an, sich am Küchentisch zu schminken. Vor ihr stehen: ein Spiegel, das dreckige Geschirr vom Sonntagsfrühstück und ihr Smartphone, angelehnt an eine Kaffeetasse. Sie zieht einen Lidstrich, dann klingelt es. Auf dem Handybildschirm erscheint neben einer vollgestellten Spüle ein Mann – zumindest der nackte Oberkörper eines Mannes. Nach einer rudimentären Begrüßung sagt er zu Maria: „Ich will Pfannkuchen machen. Kannst du mir helfen?“

Der Mann, der da um Küchentipps in Echtzeit bittet, war mal Marias Freund, aber das mit der Liebe ist lange her. „Gefühlt eine Ewigkeit“, habe ich sie oft sagen hören. Deshalb hat Maria auch kein Problem mit der unvorteilhaften Froschperspektive ihrer Kamera oder damit, sich während des Videotelefonats die Wimpern zu tuschen und Abdeckstift auf einen Pickel am Kinn aufzutragen. Ähnlich unangestrengt wirkt ihr Ex-Freund: Er erzählt ohne Aussparungen von einer Party, dem Kater am Tag danach und der Uni – und mit seinem Bauchansatz geht er um, als wüsste er nichts von dessen Existenz. Am erstaunlichsten aber ist die Sprache, in der die beiden miteinander reden: Maria, sonst super-eloquent, spart sich jegliche Höflichkeitsfloskeln. Sogar mit Pronomen geizt sie. Dafür machen die beiden Anspielungen und Witze, die für Außenstehende unmöglich zu durchschauen sind.

Als ich diese Szene vor ein paar Wochen vom Sofa meiner Freundin Maria aus beobachtete, war ich erst einmal irritiert. Nach dem Auflegen erfuhr ich dann, dass die beiden mindesteins einmal pro Woche auf diese Art und Weise kommunizieren, seit sie nicht mehr in derselben Stadt wohnen. Davon erzählte Maria so begeistert, dass ich bald verstand: die beiden verbindet eine besondere Beziehung. Ich möchte sie Ex-Freundschaft nennen – und erklären, warum sie so wunderbar ist. Vielleicht sogar die wunderbarste aller Freundschaften.

Vorweg: Eine Beziehung nach der Beziehung, wie Maria sie pflegt, beginnt immer mit einem Ende, mit der Trennung zweier Menschen. Das tut meistens sehr weh, egal, ob man selbst Schluss macht oder mit einem Schluss gemacht wird. Besorgte Bekannte warnen also gerne davor, befreundet zu bleiben. „So kommt ihr nie übereinander hinweg“, sagen sie. Oder: „Ihr landet nur wieder im Bett.“

Ist der Trennungsschmerz überwunden, kann man gemeinsam die Vertrautheit zurückerobern, die man während der Beziehung aufgebaut hat


Unberechtigt sind diese Einwände nicht. Dafür lässt sich aus ihnen die oberste Regel der Ex-Freundschaft ableiten: Auf jeden Fall eine Schonfrist einhalten! Erst wenn der Schmerz und das Vermissen nach einer Weile schrumpfen, wird an ihrer Stelle Platz für etwas Neues sein. Erst wenn man den anderen nicht mehr als Partner zurückhaben will, kann man auf einer anderen Ebene mit ihm glücklich werden. Und damit kommen wir zum schönen Teil:

Ist der Trennungsschmerz überwunden, kann man gemeinsam die Vertrautheit zurückerobern, die man während der Beziehung aufgebaut hat. An sie wird eine herkömmliche Freundschaft niemals herankommen.

Sicher können sich Menschen auch in platonischen Beziehungen sehr nah sein – bestimmte Grenzen überschreitet man jedoch nur als Paar: Man sieht den anderen mit einem Blick an, der Verliebten vorbehalten ist, ein Blick, dem nicht einmal der kleinste Leberfleck entgeht und. Man schläft miteinander und regelmäßig zusammen ein. Auf der anderen Seite regt man sich unverhältnismäßig über Kleinigkeiten auf und verletzt sich auf eine Weise, wie das ebenfalls nur Verliebte können. Diese Einzigartigkeiten einer Beziehung führen dazu, dass man über die Macken, Ängste und Sehnsüchte eines Partners so viel weiß wie über die keines anderen Menschen. Außer natürlich: über die des Ex-Partners. In Sachen Intimität übertrifft eine Ex-Freundschaft platonische Beziehungen somit um Längen, ähnlich wie es eine Partnerschaft tut.

Es liegt nahe, zu fragen: Was hat die Ex-Freundschaft, was einer Liebesbeziehung fehlt? Nichts, müsste man darauf antworten. Der Mehrwert einer Ex-Freundschaft liegt nämlich gerade in dem, was sie im Gegensatz zu einer Partnerschaft  nicht hat.

Erklären lässt sich das am Beispiel Maria: Mit ihrem aktuellen Freund teilt sie vieles. Trotzdem würde sie sich niemals schminken oder so uncharmant sprechen, wenn sie mit ihm skypt. Der Grund ist: Vertrautheit ist nicht nur das vielleicht Schönste an Partnerschaften überhaupt, sondern hat auch eine gefährliche Seite. Sie heißt Gewohnheit, und wird oft als Falle fürs Liebesleben empfunden. Erst nach einer Trennung verliert sie ihre Zähne. Denn dann muss man den anderen nicht mehr begehren und – noch wichtiger – sich nicht mehr darum bemühen, begehrenswert zu bleiben. Das ist also das Beste an einer Ex-Freundschaft: Endlich kann man die Vertrautheit, vor der man sich in der Beziehung immer auch fürchten musste, voll genießen. All die Macken und Schwächen, die sich natürlich schon angedeutet haben, darf man offen zeigen. Denn wozu noch bemühen? Weshalb Charme und Schamgefühl bewahren.

Es ist ganz egal, von welcher Seite sie sich zeigen – wenn es zwei Menschen geschafft haben, nach einer Trennung einen Teil der Zuneigung füreinander zu bewahren, dann können sie sich dieser Beziehung sehr sicher sein. Obwohl sie etwas Wunderbares gewonnen haben, gibt es nichts mehr zu verlieren.

* * * 1 January 2016 | 8:00 am * * *

Glück im Kopf

Bis vor drei Zeilen habe ich nicht daran geglaubt, dass dieser Text an dieser Stelle stehen wird. Dass ich ihn fertig bekomme. Dass die Kollegen ihn gut finden. Eigentlich denke ich nie, dass irgendetwas gut für mich ausgeht. Pessimistisch nennen das manche. Ich bevorzuge: realistisch. Ich bin gerne darauf vorbereitet, dass die Dinge schlecht laufen könnten, und positiv überrascht, wenn sie es doch nicht tun (was gar nicht so selten der Fall ist). Ich finde das vernünftig. Nur: Glücklich macht mich das nicht.




 
Ich bewundere die Kollegin, die selbst bei den aussichtslosesten Projekten ruft: „Das wird gut!“ Es wird nämlich immer gut bei ihr. Ich bewundere meine Oma, die über den misslungensten Teig sagt, dass der Kuchen hinterher sicher ganz toll wird. Er wird nämlich immer ganz toll bei ihr. So will ich denken. Ich will Optimistin werden. „Völlig überambitioniertes Projekt, klar!“, will ich eigentlich nachschieben. Aber das wäre hier ja kontraproduktiv.
 
Wenigstens bin ich nicht allein. Das Thema Optimismus ist seit Jahren so präsent wie sonst höchstens noch Veganismus. Es gibt Hunderte Studien, die belegen, dass Optimismus automatisch zu Erfolg führt. Dass Optimisten gesünder und länger leben, mehr Freunde haben, beliebter sind und bessere Beziehungen führen. Es gibt sogar Tee in der Sorte „Purer Optimismus“, mehrere Apps und natürlich Bücher. Viele Bücher. Auf Amazon finde ich mehr als 8000 zum Thema. Ich klicke, natürlich, als erstes auf: „Smile or die – Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt“. Kein guter Start. Ich will ja lernen, positiv zu denken. Und habe dafür sieben Stationen auf meinem Plan.
 

Der Verein


Als erstes rufe ich Peter Breidenbach an. Er ist Rechtsanwalt, Heilpraktiker und Familientherapeut und hat 2009 den Verein „Optimisten für Deutschland“ gegründet. Die Facebook-Seite hat knapp 60 000 Fans, sein Buch „In 30 Tagen Optimist!“ ist bereits in der dritten Auflage erschienen. Als ich ihn frage, wie Optimismus gehe, lacht er. „Als die Fußballnationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Brasilien fuhr“, sagt er, „haben die Spieler nicht über die heißen Temperaturen vor Ort oder ihre verletzten Kollegen geklagt, sonst wären sie nie Weltmeister geworden. Sie haben an sich geglaubt. Und das ist Optimismus.“
 
Optimismus hat also mit Selbstvertrauen zu tun. Beneide ich bei anderen immer. Bei mir selbst: wackelige Angelegenheit. Breidenbachs Rat: „Schreiben Sie 20 Dinge auf, die Sie an sich mögen oder die Sie geschafft haben, und kleben Sie den Zettel an Ihren Badezimmerspiegel.“
 
20 Dinge sind viel. Meinem Freund fällt schneller etwas ein, zusammen schreiben wir die Liste voll. Beim Zähneputzen am nächsten Morgen lese ich, dass ich zuverlässig bin (habe ich aufgeschrieben). Und dass ich gute Ideen habe (hat er hingeschrieben). Bereits nach dem Haareföhnen ist mir so viel Eitelkeit peinlich und ich stecke die Liste in meinen Kalender. Auf dem Weg zur Arbeit denke ich trotzdem: Eigenlob tut ziemlich gut.
 

Die Selbstüberschätzer


Optimismus liegt mir auch deshalb nicht, weil ich Angst habe, mich zu überschätzen und ja, mich zu blamieren. Bei Pessimisten ist das Angst-Zentrum im Hirn vergrößert, habe ich in den Optimismus-Ratgebern gelesen, die für die Recherche seit ein paar Wochen auf dem Nachttisch liegen. Dass ich mich lieber unterschätze, hat aber auch Vorteile: Ich werde nie bei einer Casting-Show teilnehmen und auf der Bühne gedemütigt werden oder am Roulette-Tisch Geld verlieren. Andererseits werde ich auch nie eine Casting-Show oder viel Geld am Roulette-Tisch gewinnen.
 
Prof. Dr. Christian Schicha ist Medienwissenschaftler und beschäftigt sich seit 2010 mit den Motiven von Teilnehmern an Casting-Shows und Sendungen wie „Big Brother“. „Bei vielen Teilnehmern kann man nicht mehr von gesundem Optimismus sprechen, der sie da auf die Bühne treibt. Das ist einfach Selbstüberschätzung, und ich finde, dass man vor allem junge Teilnehmer vor sich selbst schützen sollte“, sagt er. Und bewundert doch auch das Selbstvertrauen der Teilnehmer: „Da ist die Lust, etwas auszuprobieren und das Beste für sich herauszuholen, größer als die Angst vor einer Blamage, das verdient Anerkennung.“
 
Es muss ja nicht gleich die Casting-Show sein. Es gibt jeden Tag Dinge, die aussichtslos erscheinen und die ich deshalb gar nicht erst versuche. Zum Beispiel meine Lieblings-Hamburger Olli Schulz und Fahri Yardim fragen, wie man Optimist wird.
 

Die Hamburger


In Hamburg leben Studien zufolge nämlich die optimistischsten Menschen Deutschlands. Olli Schulz und Fahri Yardim haben übrigens beide zehn Minuten nach meiner Anfrage abgesagt. So viel zum positiven Denken. Der Sprecher vom ersten Bürgermeister Olaf Scholz jedoch antwortet mir nach wenigen Minuten, er sei „optimistisch“, dass mir Herr Scholz einen Tipp geben kann. Kurz vor Abgabetermin schickt er immerhin ein Statement: „Hamburg ist eine Ankunftsstadt. Hierher kommen seit Jahrhunderten und bis heute Bürgerinnen und Bürger, die ein besseres Leben für sich und ihre Kinder erhoffen. Diese Hoffnung speist sich aus dem Optimismus, dass es auch klappen wird, wenn man sich anstrengt. Dieser Optimismus prägt die Stadt bis heute – auch wenn es um ganz große Herausforderungen wie die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele geht. Wir sollten uns große Dinge zutrauen.“ Vielleicht liegt es also an München, an Bayern, dass das mit mir und dem Optimismus nicht klappt. Ich kann jetzt nicht nach Hamburg ziehen. Aber ich lerne: Einfach mal naiv etwas zu versuchen, kann etwas bringen – und sei es auch nur ein Bürgermeister-Zitat.

>>>Peter Neururer sagt: "Egal, wie beschissen meine Situation ist, es gibt immer noch Möglichkeiten."<<<
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Die Neurowissenschaft


Eines der Optimismus-Bücher auf meinem Nachtkästchen trägt den Titel „In jedem steckt ein Optimist. Wie wir lernen können, eine positive Lebenseinstellung zu gewinnen.“ Auf Amazon hätte ich fast nicht draufgeklickt. „Esoterik-Quatsch!“, dachte ich mit Blick aufs Cover (und bestellte es dann, weil ich ja Muster durchbrechen will). Die Autorin, die irische Professorin für Psychologie und Neurologie Elaine Fox, sagt tatsächlich vieles, das sich nach Selbsthilfegruppe anhört: „Pessimisten übersehen das Positive in ihrem Leben“, zum Beispiel. Sie hat allerdings wissenschaftlich belegt: Das Gehirn gewöhnt sich mit der Zeit daran, alles Negative zu speichern.




 
Ich denke zurück, was mir aus den vergangenen Wochen in Erinnerung geblieben ist. Ich war an meinem Geburtstag krank, was superfies ist, denn ich liebe Geburtstage! Ich musste einen Kurztrip absagen, weil ich arbeiten musste. Ich erinnere mich an viel Stress, einen geplatzten Auftrag, viel zu viele Abende zu Hause statt unterwegs.
 
Bin ich einfach unzufrieden? Oder sind tatsächlich nur meine optimistischen Hirnregionen ein wenig eingerostet? Letzteres ließe sich wieder umkehren. Neurowissenschaftler wie Elaine Fox empfehlen, jeden Abend aufzuschreiben, was man tagsüber Erfreuliches erlebt oder geschafft hat. Ich notiere: ein gutes Interview geführt. Zwei tolle Menschen kennengelernt. Mit einem lieben Menschen Kaffee in der Sonne getrunken. Mit einem anderen lieben Menschen einen schönen Abend verbracht. Optimistisch fühle ich mich deshalb noch nicht. Aber noch einmal etwas positiver. Ähnlich wie schon beim Eigenlob-Zettel am Spiegel. Ich schlafe ziemlich zufrieden ein.
 

Die App


Positive Wahrnehmung kann man angeblich auch mit „CBM“ steigern. CBM ist kein Medikament, sondern steht für: „Cognitive Bias Modification“, die Korrektur von Wahrnehmungsmustern. Natürlich gibt es dafür eine App, mehrere sogar. Ich lade mir eine aufs Handy: Auf einem Bildschirm voller mürrisch dreinguckender Menschen muss ich immer auf das eine lachende Gesicht drücken. Am Anfang muss ich ziemlich lange nach dem einen versteckten Lächeln suchen, dann geht es immer schneller. Nach jeder Runde Gesichterklicken werde ich gelobt: „Gut gemacht, jetzt atme tief ein und du bist startklar.“
 
Das Gehirn soll sich so darauf einstellen, in jeder Situation das Erfreuliche herauszufiltern. Davon spüre ich noch nichts. Dafür macht die App ein wenig süchtig, wie „Flappy Bird“ oder „Doodle Jump“. Das ist praktisch, weil das Training angeblich erst nach zwei Monaten und drei bis vier Mal Training pro Woche wirken soll. Optimist werden braucht also auch Zeit.
 

Der Feuerwehrmann


Der Fußballtrainer Peter Neururer wird in der Branche „Feuerwehrmann“ genannt, weil er gern von abstiegsbedrohten Vereinen angeheuert wird. Er muss doch wissen, wie man Optimismus lehrt. Ein Anruf also: In seiner Telefon-Warteschleife läuft „Born to be wild“ und als erstes lobt er meine freundliche Stimme. Wie baut so einer also demotivierte Spieler auf? „Ich kenne keinen Profi-Fußballer, der nicht motiviert ist“, sagt er. Deshalb vermittle er auch nur „realistische Zuversicht“: „Den Spielern muss klar sein, dass es jedes Jahr einen Meister gibt. Alle anderen Vereine werden nicht Meister, ein paar werden sogar absteigen.“ Optimismus bedeutet für ihn, sich realistische Ziele zu setzen. „Egal, wie beschissen meine Situation ist, es gibt immer noch Möglichkeiten. Alles andere wäre unrealistisch. Ich kann aber nicht, wenn wir als Tabellenletzter noch zehn Spiele in der Saison vor uns haben, sagen: ‚Wir gewinnen jetzt alle zehn Spiele, um nicht abzusteigen‘. Es geht immer um das nächste Spiel. Ich muss überzeugt sein: Das werden wir gewinnen!“ Und wenn er auch mal einen schlechten Tag hat? „Das habe ich nie. Gerade bin ich allerdings unzufrieden. Ich habe keine Aufgabe, meine gute Laune beim Aufstehen ist jetzt dosierter“, sagt er. „Ich kann mir keinen Job suchen, denn als Trainer wird man gefunden. Aber ich weiß, das wird passieren.“
 
Zuversicht ist das wohl. Ein noch größerer Begriff als Optimismus. Bevor ich aufgebe, frage ich meine Freunde auf Facebook, wie das geht mit dem Zuversichtlichsein. Und stoße auf Sandra aus Brasilien. Sie ist Unternehmensberaterin in New York.
 

Das Vorbild


Im vergangenen Jahr starb Sandras Verlobter. Mit 30 Jahren. An einem Herzinfarkt während eines Basketballspiels. Drei Monate vor ihrer Hochzeit.
 
Und in Sandras Skype-Profil steht: „The state of being happy“. „Ich weiß, ich werde mich wieder verlieben und wieder heiraten“, sagt sie, als wir skypen. „Als mein Verlobter starb, war ich so allein, so verloren. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich nicht die Wahl, mein Schicksal zu bestimmen. Da habe ich beschlossen, optimistisch zu sein.“
 
Kann man das: einfach akzeptieren, was passiert ist, und entscheiden, dass man ab jetzt alles nur noch positiv sieht? „Ich habe mir mein zukünftiges Leben vorgestellt und mich entschieden, nicht aufzugeben. Manchmal verliert man. Das ist eine banale, aber wichtige Erkenntnis. Darum muss man alles andere schätzen und nicht daran festhalten, was man verloren hat. Das war die größte und wichtigste Entscheidung, die ich je getroffen habe.“
 
Bisher habe ich Optimismus vor allem in der Bestätigung von außen gesucht. Und ihn gefunden: Auf der Liste am Spiegel, die mein Freund viel schneller füllen konnte als ich. In einem Mittagessen mit Kollegen, die mich motiviert haben, mich mehr zu trauen. In der SMS einer Freundin. Sandra hat einfach entschieden, optimistisch zu sein. Forscher behaupten übrigens, wir hätten gar keine Wahl: Wir seien alle Optimisten, das sei uns nur nicht bewusst. Sonst würde niemand heiraten, rauchen, bei Rot über die Ampel gehen oder überhaupt morgens aufstehen. Ich bin also unterbewusst schon Optimistin. Vielleicht muss ich das nur noch auf die bewussten Entscheidungen anwenden, die ich jeden Tag treffe. Vielleicht heißt Optimismus, die Zweifel aushalten. Weiterschreiben, trotz eines geplatzten Auftrags. Weiterspielen, auch wenn man glaubt, man hat schon verloren. Weiter machen. Raus kommt man eh nicht. Dann kann man genauso gut das Beste draus machen. Und so schlimm sind die Zweifel gar nicht. Sonst wäre dieser Text nie erschienen.

* * * 31 December 2015 | 9:00 am * * *

"Man ist nie zu alt für Gangsta-Rap!"



In dieser Kolumne erzählen junge Menschen, was in ihrem Alter noch nicht geht – und was nicht mehr. Diesmal: Jens, 27




. . . um damit aufzuhören, Gangsta-Rap-Zitate zu benutzen. Das Thema kam neulich bei meinem besten Kumpel auf. Ich weiß nicht mehr genau, worüber wir gesprochen haben, aber ich glaube, es ging um irgendwas von Lil Wayne. Und mein Kumpel fragte mich, ob ich nicht langsam zu alt für Gangsta-Rap bin. Die Antwort ist: Man ist nie zu alt für Gangsta-Rap! Man kann durchaus auch als Nicht-mehr-Teenager einen guten Musikgeschmack haben und trotzdem manchmal Haftbefehl hören. Und ich werde auch sicher mit 50 oder 60 noch aus seinen Texten zitieren, wenn die Situation danach verlangt. Schlimm sind ja die, die so tun, als würden sie nur noch Chilly Gonzales oder Feist hören, wenn sie Ende 20 sind, dann aber trotzdem Hafti oder Sido feiern – und ihr Spotify-Profil dabei auf „privat“ stellen. Ich habe schon gearbeitet, als viele meiner Freunde noch mitten im Studium waren, dadurch kommt wohl der Irrglaube, ich sei zu erwachsen dafür. Manche glauben wohl, irgendwann ist man auch zu schlau für Hip-Hop. Aber: Hip-Hop ist immer ein bisschen schlauer als du.

[seitenumbruch]
 



. . . für Grundsatzdiskussionen oder absolute Meinungen. „Wäre es nicht besser, im Sozialismus zu leben?“ So was haben wir als 16-Jährige ewig diskutiert. Immer mit dem Ergebnis: Es wäre besser. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Das hat nichts mit politischer Verdrossenheit zu tun, sondern damit, dass man reflektierter wird und erkennt, dass es bei den meisten Themen verschiedene Seiten gibt – und dann kommen einem absolute Meinungen schwachsinnig vor. Das betrifft nicht nur Diskussionen über Politik. Ich kenne Leute, deren Musikgeschmack sich auf ein Genre beschränkt und die Sachen sagen wie: „Die Musik kann man doch nicht hören.“ Doch, kann man wohl! In die gleiche Kategorie gehören Captain-Obvious-Aussagen wie: „Ey, es ist so krass, wie immer alles auf der Welt nur ums Geld geht.“ Ach was! Genauso geht es mir, wenn Leute sagen, dass man doch eigentlich was machen müsste: „Man müsste doch eigentlich was für die Flüchtlinge machen!“, „Man müsste beruflich was Eigenes aufziehen!“ Früher hab ich sicher auch so geredet. Heute denke ich: „Quatsch nicht, mach einfach!“

* * * 28 December 2015 | 11:32 am * * *



Ende der Fütterung





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